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Von Osh nach Barnaul (RU) – Unendliche Weiten Kasachstans

Von Osh nach Biskek – Die ersten Jurten!

Nachdem wir am Abend des zweiten Tages den Raketen-Polo endlich aus seinem ungewohnten Terrain – der Werkstatt – entlassen durften, sammelten wir noch einmal etwas Kraft für die kommende Strecke.
Um 6 Uhr saßen wir am Frühstück und kurz darauf waren wir auch schon auf der Bahn Richtung Norden.
Die Straße schlängelte sich an der Usbekischen Grenze durch kleine Ortschaften und meist an Flüssen entlang.
Unterwegs trafen wir noch ein Deutsche-Britisches-Team mit defekter Kupplung, welche die Strecke permanent im zweiten Gang zurückgelegt hatten und nun doch lieber eine Werkstatt suchten. Interessant war das Starten des Motors im zweiten Gang ohne Kupplung…

Der mittlere Teil der Strecke führte über einen beeindruckenden Pass. Pferdeherden und dazugehörige Jurten säumten den Weg und wieder mutierte der Wüsten-Fox zum Berglöwen und erklomm recht souverän den über 3.000m hohen pass.

Die Abfahrt ware ebenso steil wie der Aufstieg, der auf der Karte erkannte Fluss am Straßenrand – welcher von einer geringeren Steigung ausgehen ließ – entpuppte sich als reißender Sturzbach.

Kurz vor Bishkek wurden noch einmal die Fahrer gewechselt und Caius musste die letzten 50 km durch unwegsamste Baustellen durch die Dunkelheit manövrieren.
Das Hotel sah unserer Unterkunft in Erzincan kurz vor der D915 zum verwechseln ähnlich. Ob wohl die Baupläne weiterverkauft werden?

Apropos D915; als (eine der) gefährlichsten Straßen gekennzeichnet, würden wir nach den Pamirs nun drüber schmunzeln.

Bishkek – Burger, schlafen und weiter nach Almaty

Abends in Bishekek angekommen und eingecheckt sind nur noch schnell um die Ecke zu einem lokalen Burger-Brater gegangen. Das Essen war die letzten Tage recht schlecht und die letzten Wochen zudem arg eintönig.

Wir hatten einige negative Geschichten vom Grenzübergang nach Kasachstan gehört und machten uns auf den Weg den nächsten Stempel in den Pass drücken zu lassen.

Die Kasachische Grenze – Alles halb so wild… oder doch nicht?

Mit leicht aktivem Anstehen – in Westeuropa Vordrängeln genannt – kamen wir recht schnell durch die ersten Absperrungen. Alle auszufüllenden Papiere waren natürlich wieder nur in Kyrillisch und natürlich wieder komplett anders aufgebaut. Aber ebenso selbst verständlich halfen umstehende Grenzgänger beim Ausfüllen – sehr freundlich alle!

Nach dem Papierkram und der Einreise wurde ich als Fahrer noch einmal rausgewinkt und in Richtung Werkstatthalle geschickt. Es stand eine detaillierte Prüfung an – der Sechser im Lotto…
Dort langsam hinrollend sah ich den ersten Soldaten im Schatten eines Baumes auf dem Boden sitzen und auf seinem Smartphone rumdrücken. Mein freundliches „Привет“ wurde mit einem „Hm“ zur Kenntniss genommen, ohne jedoch den Blick zu heben. Als ich nicht weiterfuhr, sondern hilfesuchend nach der nächsten Aufgabe dieses Hinderniskurs den Grenzer angaffte und er dann doch hochblickte, mich als Ausländer identifizierte, den Polo einmal im Kreis betrachtete, wurden seine Augen erst groß und dann sackte er enttäuscht und genervt in sich zusammen.
Er deutete mir in die Halle zu fahren auf der rechten Seite zu warten. Ich tat, wie mir geheißen, stieg aus und wartete Wasser trinkend und am staubigen Auto gelehnt auf die Handwerker. Um mich herum waren folierte Bretter auf Paletten fein säuberlich ausgerichtet und ich stellte mir vor, wie die Einzelteile des Polo diese sukzessive füllen würden.
Ein Deutscher Schäferhund – vermutlich der Drogenspürhund – stöberte bereits durch die Halle, als der vor der Halle sitzende Soldat, nebst einem Offizier und einem Zöllner in sie Halle kamen, sich aufgeregt und auf den Polo zeigend unterhielten.
An einem Schreibtisch in der Ecke mit Röhrenmonitor und alter IBM-Tastatur, wurden kurz Ordner gewälzt und Papiere hin und her geheftet. Ich vermutete wieder Reparatur… Zerlegenanleitungen für einen Polo 86C 2F von 1991 mit AAU als Motorkennbuchstabe und überlegte, ob ich Mesi und Caius noch eine SMS schicken könne, bevor die Grenzer die Innenverkleidung des Polos herausrissen.
Plötzlich wurde es still, ich blickte auf und sah den Zöllner strammen Schrittes auf mich zugehen. Er reichte mir einen Zettel mit Unterschrift uns Stempel – ich war frei! Keine Detail-Kontrolle. Kein zerlegter Polo. Kein Einzelteile auf den Paletten.
Schnell fuhr ich durch die nächsten Kontrollen und schloss zum restlichen Team auf, welches bereits auf mich wartete.
Wir düsten weiter nach Almaty.

Almaty – 320.000 Einwohner und nichts los

Auch hier hatten wir nur einen kurzen Zwischenstop. Waschmaschine anwerfen, Einkaufen und noch kurz im Hard Rock Cafe vorbei – so jedenfalls der Plan. Allerdings waren wir gerade im Airbnb angekommen, als es klingelte und ein Polizist vor der Tür stand, der direkt nach unseren Pässen fragte. In Vermutung, es handle sich um ein illegales Airbnb, übergaben wir die Pässe. Schließlich hätten wir ja meiner Auffassung nach nichts zu befürchten. Der Gastgeber griff umgehend nach seinem Handy und telefonierte los. Noch bevor der uniformierte Teilnehmer dieser spontanen Unterredung die Pässe abschreiben konnte, nahm ihn unser Gastgeber diese wieder ab und überreichte sie uns. Er nahm den Freund und Helfer, welcher gut zwei Köpfe kleiner war als er, in den Arm und schob den sichtlich irritierten Beamten die Treppe hinunter.
Es stellte sich heraus, dass die Vormieter des Airbnb wohl am Abend zuvor eine wilde Party mit viel Alkohol und lautester Musik hatten und ein Nachbar die Cops gerufen hatte. Es klärte sich also alles auf und wir hatten weder da noch später bis zur Ausreise Probleme.

Also auf ins Nachtleben Almatys/Kasachstans… Leider beherbergte das Hard Rock Cafe eine geschlossene Gesellschaft von Radsportlern, sodass wir lediglich durch Zufall nach Beendigung der Veranstaltung noch ein Bier im leeren Restaurant trinken durften. Auch sonst war die Stadt quasi ausgestorben. Kaum jemand auf der Straße, keine Bars, keine Restaurants. Also machten wir uns auf den Heimweg…

Auf dem Weg zur Russischen Grenze

Und dann ging es los… Kasachstan. Wahnsinn, wie groß dieses Land ist. Unsere Tagesziele waren wie immer recht optimistisch bis sportlich gesetzt und so erreichten wir erst Abends eine Unterkunft in Priozersk (Приощерск) am Balkhash-See. Wir aßen gummi-artige Fleischspieße und trockenes Brot zu Abend. Nur das kalte, gezapfte Bier war eine schöne Abwechslung und Belohnung für knapp 600km in mehr als 10 Stunden Fahrzeit.

Wild-Campen in Kasachstan bei 3°C

Das folgende Tagesziel – Pavlodar (Павлодар) verfehlten wir massiv, was nicht zuletzt daran lag, dass wir ein andere Rally Team – die Jungs von Car Blanche – am Straßenrand mir einer Panne sahen und natürlich anhielten. Das zog nicht nicht drei weitere Teams, sondern irgendwann auch eine Streife der Polizei an, welche aber nach kurzer Kontrolle der Situation weiterfuhr.
Die gebrochene Blattfeder wurde notdürftig mit einem Reparaturblech verstärkt und weiter ging die Fahrt. Allerdings löste sich der Convoy sehr schnell auf und wir machten unseren Weg in Richtung Russischer Grenze.

Als die Sonne langsam unterging und die Straßen weiterhin schlecht wurden suchten wir uns einen geeigneten Platz zum Campen, verließen die „Straße“ und schlugen unser Lager hinter einem Hügel auf. Gerade rechtzeitig hatten wir alles fertig und genossen den Blick auf die Milchstraße mit ein paar Snacks.

Die Nacht war kalt. Für mich nicht so sehr wie auf dem Pamir aber dennoch; kalt!
Der Taschenofen heizte seit Stunden den Schlafsack vor und das Zwiebelprinzip wurde direkt von Anfang an umgesetzt. Dennoch war es unangenehm klamm und kalt am nächsten Morgen, um 06:20 Uhr, als ich mit Kamera bewaffnet das Zelt verließ und ein paar Bilder knipste.

Die Russische Grenze

Wir packten unsere feuchten Zelte nach einer notdürftigen Trocknung ein und fuhren weiter Richtung Barnaul (Барнаул), was gar nicht so weit südlich von Novosibirsk (Новосибирск) liegt.
Da wir auch von anderen Russischen Grenze einige Horrorgeschichten gelesen hatten, entschieden wir uns für eben diesen Umweg, da die Grenze im Norden einfacher sein soll.

Und in der Tat waren wir in nicht einmal einer Stunde abgefertigt und zum ersten mal auf dieser Reise in der Russischen Föderation eingereist.
Interessanter Weise tragen die Grenzer auf Russischer Seite schwarze Uniformen, die eher unseren Securities als offiziellen Grenzern ähneln.

So glitten wir weiter über gute Straßen Richtung Barnaul. Das späte Zusammenpacken der Zelte aufgrund der Feuchtigkeit rächte sich nun und wir erreichten Bernaul erst gegen 3 Uhr morgens. Ohne Hotelreservierung fuhren wir die wenigen Adressen ab, die wir hatten und konnten doch noch um das Stundenmotel herumkommen. Nach einigen Preisverhandlungen, gab der Nachtportier nach und ließ uns für ca. 60$ ein paar Stunden im 3-Sterne-Hotel schlafen. Caius zog diesmal das kürzeste Streichholz und bekam das Beistellbett.
Tagsdrauf organisierten wir uns SIM-Karten mit unbegrenztem Internetvolumen(!) und lernten aus den Fehlern Tadschikistans. Jeder hat einen anderen Betreiber ausgewählt, sodass wir für Hotelsuche und Co. hoffentlich gewappnet sind.

Danach machten wir uns über perfekte Straßen auf zur Mongolischen Grenze…

Polo 2² – Die Rückkehr

Leider ist auch das Abladen des Polo nicht spurlos an ihm vorbeigegangen. Das Ziehen mit der Seilwinde ohne das vorherige Füllen der Reifen hat fast alle Schläuche durchlöchert. Zusammen mit der fast abgerissenen Frontstoßstange, dem „höhergelegten“ Tank und dem auslaufenden Getriebe war es eine richtige Freude, eine Werkstatt zu suchen, die sich dem Thema annahm.

Dachten wir… Denn interessanterweise konnte unser Rezeptionist aus unserem Hotel nicht nur Deutsch, sondern wies uns auch – nach unseren stümperhaften Versuchen auf Grundlage von iOverlander und Co. – in eine komplette Autostadt mit Werkstätten, Geschäften und „Masters“.

Hier läuft das natürlich auch alles etwas anders, als wir es gewohnt sind. Es gibt einen Schrauber mit einer Grube, der Teile ein- und ausbaut, wechselt und instandhält. Benötigt er ein Teil, weist er einem die Richtung und man muss selber losrennen und das Teil besorgen. Bei komplexen Problemen, wie bspw. einem gerissenen Getriebegehäuse und einer nicht mehr funktionierenden Schaltung, werden gleich mehrere Parteien involviert. Der eine baut das Getriebe aus, der nächste (ein „Master“) um die Ecke zerlegt es und kontrolliert, warum das Schalten nicht mehr möglich ist, ein weiterer „Master“ schweißt das Gehäuse. Und immer, wenn Kleinteile benötigt werden oder Teile, wie bspw. das Gehäuse, zum nächsten Master verbracht werden müssen, rennt man damit quer über die mehrere Hektar große Anlage. Wenigstens weiß man dann genau, was wo verbaut wurde und hat eine 100%ige Preistransparenz. Dennoch hat man wenig Freizeit und kommt bei Parallelisierung von Arbeitsschritten schon einmal ins Rennen und bei 36°C ins Schwitzen…


heute leider nur unsortiert und zusammengewürfelt


Pamir Highway: 1 | Pologetriebe: 0

So quälten wir uns weiter über den Highway und die Pässe, durch Check-Points, vorbei an zerfallenden Häusern oder auch gerne einmal einem aufgegebenen Motor russischer Produktion, welcher am Straßenrand hinterlassen wurde. Die Ortschaften wurden weniger. Auch die Viehherden verschwanden bald. Fließend Wasser wurde augenscheinlich weniger und die Suche nach Mineralwasserflaschen wurde schwieriger – die Menschen hier trinken Wasser eben aus dem Brunnen. Stromleitungen lagen ebenfalls brach und waren oftmals unterbrochen. Handynetze gab es keine mehr. Weder mit deutscher, noch mit tadschikischer SIM-Karte und weder aus Tadschikistan, noch aus Afghanistan… aber woher auch da, war das Gebiet „Wakhan-Valley“ auf afghanischer Seite doch erst in den 1960er-Jahren geografisch erfasst worden. Das bedeutet wohl, dass es zwischenzeitig genauere Karten vom Mond als von der Region gab.

Wir hatten gelernt, dass der Polo viel (sehr viel!) Drehzahl braucht, um Steigungen und schlechte Straßen zu meistern und so gaben wir ihm unweigerlich die Sporen. Nach einem arg entlegenen Kontrollpunkt in einer unwirklichen Mondlandschaft sollte die Straße besser werden und wir fuhren entsprechend zügig weiter.

Bei etwa 40 km/h im zweiten Gang passierte es dann aber doch. Auf einem Kiesweg hebelte uns eine Bodenwelle aus und wir hatten kurz Schwerelosigkeit – das war der Moment, als ich aus meinem Dämmerschlaf gerissen wurde – und schlugen mit allem was wir hatten plus 9,807m/s² in einen großen Stein am Boden ein.

Dieser durchschlug nicht nur den zusätzlichen Unterbodenschutz, sondern perforierte auch unser original Vier-Gang-Getriebe Baujahr 1991. Nun standen wir da. 4.200m üNN. Mitten im Nichts. Also wirklich im GAR NICHTS. Es hätte der teil-kolonialisierte Mars im Jahre 2613 sein können. Und das Getriebeöl lief über den verdichteten Schotter und bildete eine langsam versickernde Pfütze. Nach kurzem Austausch bildmalerischer Kraftausdrücke wechselte Caius sein Beinkleid von der langen zur kurzen Version und Joggte in Richtung Check-Point und Militärbasis zurück, um einen Abschlepper zu organisieren. (Anm. d. Schreiberlings: Wir waren immer noch auf 4.200m!) Mesi und ich wechselten indes erst das Beinkleid von kurz auf lang, nahmen und dann die Hoodies von awesomeIT, warfen kurz darauf die Daunenjacken gefolgt von den Regenjacken von Pepperl+Fuchs über und freuten und im Polositzend über o.g. Sponsoren und dass wir daran dachten warme Kleidung mitzunehmen.

 

Zumindest ein Bisschen „Glück im Unglück“…

…hatten wir, als nach ca. 35 Minuten ein kleiner Konvoy von Mongol Rally Teams auftauchte und ein immer noch schnell atmender Caius aus einem der Wagen krabbelte. Es wurde kurz gefachsimpelt, was kaputt sein könnte und wie man wohl am besten zu einer Werkstatt kommt und schlussendlich wurde ein Abschleppseil ausgepackt und Tim vom „Team“ solo_and_lost uns knappe 50 (fünfzig!) Kilometer durch massiv schlechtes Terrain bis ins nächste Dorf zog. In Alichur checkten wir ins erstbeste Guest-House ein und der Besitzer erkannte nicht nur direkt unser Dilemma, sondern hatte am Vortag direkt einem anderen Team einen Lkw organisiert, der sie nach Osh / Osch (Kirgisistan) brachte. Er telefonierte direkt los, schüttelte jedoch immer wieder den Kopf, als wir ihn beim Vor-Abendessen sahen.

In dem „Hotel“ waren neben einem vermeintlich italienischen Pärchen, was den Pamir auf dem Rad durchquerte, auch Jack, der Brite, der auf dem Motorrad die Welt umfährt und eine ältere Dame aus England, welche alleine mit einem lokalen Fahrer unterwegs war und allerhand zu erzählen wusste. Wir hatten einen (für Mesi und mich kurzen) unterhaltsamen Abend und konnten kurz vor dem Schlafengehen noch einen Transport nach Osh aushandeln! Wenngleich dieser auch fast so viel wie der Polo kostete, brachte er uns doch aus der Wüste in eine hoffentlich noch existente Zivilisation.

 

Erstens kommt es anders…

…und zweitens als man denkt.

12 Stunden Schlaf später (Guest-House, Camping und ein paar tausend Meter Höhenunterschied hatten bei mir offensichtlich Spuren hinterlassen) waren wir wach und freuten uns, dass der Lkw samt Fahrern überpünktlich vor der Unterkunft stand. Ein Mercedes Bens Vario 811D von geschätzt 1987 mit Kastenaufbau von Fruehauf.

Dieser wurde rückwärts von unten an die Straßenböschung gefahren und der Polo von der Straße aus hineingeschoben. Die Ersatzreifen hinderten zwar den ersten Anlauf aber schlussendlich war der Polo nach wenigen Minuten absolut unsicher, in einem alten, kaputten Benz verstaut. Damit der Polo auf den schlechten Straßen nicht in der Kiste hin und her hüpft wurde (gegen unseren Willen) die Luft aus den Reifen/Schläuchen gelassen. Anschließend wurde noch allerhand Gepäck der Fahrer und unsere Ersatzreifen links, rechts, vor und unter dem Kfz verstaut bis es los ging.

Nach wenigen Kilometern wurde noch einmal geprüft, ob der Polo noch gerade steht und so rumpelten wir dann nach Nord-Westen in Richtung Murghab. Dies war unser eigentliches Ziel für den Vortag und so waren wir doch etwas erstaunt, dass es sich hier um einfachste Behausungen, Jurten und Container handelte. Wir konnten kurz Wasser und Brot einkaufen und es wurde noch schnell per Trichter aus einem oberirdischen Tank getankt. Es sollte noch ein zweiter Fahrer zusteigen und so rumpelten wir durch die „Stadt“… Quasi durch Vorgärten und Wäschespinnen – gäbe es denn welche. Auf einem Hügel am Ortsrand angekommen, wurde der Vario von einer ganzen Familie umringt und es wurde mehr und mehr Zeug in den Wagen geladen. Teppiche, Taschen, Pakete aus zusammengeknoteten Decken, Säcke, … Die Wartezeit verkürzend wurden wir in das Haus des Fahrers auf einen Tee eingeladen, was direkt eskaliert und man für uns Brot aufschnitt (welches in dieser Region für die Menschen heilig ist) und zusammen mit Joghurt, Marmelade, Kartoffeln, Fleisch, etc. gereicht… Wir tranken zwei Tassen Tee und aßen kurz etwas Brot, bevor wir uns bedankend in den Benz setzten und weiterfuhren.

 

So weit, so gut…

…ach nee, doch nicht.

Wir fuhren also weiter und rumpelten so über die Straßen. Die Strecke Alichur nach Osh sind ca. 550km, für die 15 Stunden Fahrzeit (und eigentlich eine Übernachtungspause) angesetzt waren. Wir trafen ein paar Rally-Teams und passierten einige Kontrollstellen des Militärs. Auch standen wir überraschenderweise vor dem Zaun des Niemandslands nach China! Hier wurde einmal schnell der Stoßdäpfer des Varios auf offener „Straße“ ausgebaut, da er wohl nicht mehr ganz seinen Dienst erfüllte. Wir nutzten die Zwangspause zur Erkundung des verlassenen Grenzpostens eines scheinbar dort ehem. existenten Grenzübergangs zwischen Tadschikistan und China. Hier fanden wir auch ein beeindruckendes Geweih eines Marco-Polo-Schafs, was dem ganzen eine noch morbideren Anstrich gab.

Und dann sahen wir es…

Der Fahrer öffnete zur Sichtprüfung des Polos die Ladetür und der beißende Geruch von Benzin trat allen sofort entgegen. Der Ladeboden schwamm vor Benzin und sofort tropfte eine Lache auf die Schotterstraße. Wegdiskutieren konnten wir nicht, dass es der Polo war, fuhr der Vario doch seit gut 32 Jahren mit Diesel um die Welt.

Schulterzuckend, aber auch rätselnd wurde die Fahrt fortgesetzt –  was soll man auch machen?!

 

Tadschikistan/Kirgisistan – Eine der höchsten Grenzen der Welt?

Wir wollten eigentlich in Karakul am See Karakul nächtigen und mussten daher eh über die Grenze. Mittlerweile war es dunkel und so richtig kalt, dass einem die Zähne klapperten. Im Niemandsland entdecken wir ein Schild, was den Pass ,auf dem sich die Grenze befand, auf etwas über 4.200m üNN.

Das verlassen Tadschikistans war ziemliches Chaos. Weder gab es Schilder, noch konnte man Militär von Zivilisten unterscheiden, da auch gerne mal ein Grenzer im Dienst in Jogginganzug und Regenstiefeln durch die Gegend schlurfte. Dieser Spezielle fragte sogar offen, direkt und vor Zeugen nach Geld. Schließlich ließen wir ja unseren Pkw durch die Gegend fahren, statt ihn selbst zu fahren. Lachend, aber offensichtlich verneinend, stiegen wir ein und konnten dann auch einfach weiterfahren.

Ein britisches Team, welches wir trafen, hatte an der Grenze weniger Glück. Ein Kontrollpunkt zuvor hatte ihnen das Visa nicht wieder zurückgegeben und versichert, man brauche das nicht mehr. Diese Info war leider falsch und so hantierten sie mit den Digitalkopien ohne Stempel herum.

Bei der Einreise in Kirgisistan ging alles etwas Zackiger und Militärischer zu und endlich hatten die Wachposten wieder Gewehre, wenn auch keine Magazine…

Ein Blick auf die Ladefläche brachte auch Aufklärung woher das Benzin stammte. Einer der Fahrer/Helfer musste die Ersatzreifen unter den Polo geschoben haben. Die abgelassene Luft aus den Reifen und das brutale Gewackel auf der „Straße“ hat den Tank eindrücken lassen, sodass der Sprit vermutlich wie ein Springbrunnen durch den Laderaum schoss. Auch hatte es dabei den Tankstutzen durch die Klappe gedrückt… Kurzum; der Tank war (auch) durch.

Wir fuhren mit kurzer Pause und einem erneuten Fahrerwechsels aufgrund eines Sekundenschlafs des Fahrers durch bis nach Osh und erreichten unser zwischendurch gebuchtes Hotel.

3,5 Stunden Schlaf können und müssen manchmal auch genügen. Denn dann sollte der Polo abgeladen und zur Werkstatt gebracht werden…


unsortiert und zusammengewürfelt


 

Pamir Highway – Der Hindukusch zum Greifen nah

Tadschikistan – Zahlen, die sich einbrannten

Je mehr man über dieses Land liest, desto surrealer wird es. Als eines der ärmsten Länder der Welt und das ärmste Land der UDSSR werden 50% des BIP durch im Ausland arbeitende Verwandte erbracht, 1/3 der Bevölkerung gelten lt. WHO als unterernährt und die durchschnittliche Lebenserwartung ist erst in den letzten Jahren über 60 Jahre (m), bzw. 70 Jahre (w) gestiegen. Geschichtlich ist das Land seit ca. 3.500 v. Chr. existent. Die jüngere Geschichte endet mit einem Bürgerkrieg (1992-1997), von dem noch immer Minen im Land verteilt liegen. Und die Hälfte des Landes liegt oberhalb von 3.000m üNN.

Aber wenn Tadschikistan eins hat, dann sind es Steine. Vor allem auf dem…

Pamir Highway – Die Straße auf dem Dach der Welt

Wie auch der Hindukusch („Hindu-Mörder“) oder der Himalaya, zählt der Pamir zum „Dach der Welt“.

Drei Pässe über 4.000m üNN erwarteten uns und eine vermutlich einzigartige Landschaft. So machten wir uns nach einem ersten gemeinsamen Abend des Wiedersehens in einem Hotel in Vose bei Kulob mit dem dritten gewechselten Reifen (siehe Blogpost zuvor) auf ins Abenteuer. Ein kurzer Blick auf die Karte genügte und …ja…wir hatten uns verfahren und quälten den kleinen Polo durch alte Flussbetten und etwas, was man in Deutschland nicht einmal als Wanderweg nutzen würde. So mutierte der Wüsten-Fox dann auch spontan zur Bergkatze, was sich relativ schnell als falscher Patronus herausstellte. Wir waren zu schwer und hatten einfach zu wenig Leistung. Es blieb uns nichts anderes übrig, als auszusteigen und den Polo auf sandiger Strecke bei knapp 3.000m den Hang hochzuschieben, während einer aus dem Team die Kupplung quälte. Die Holprige fahrt und der viele Staub schafften auch sofort neue Herausforderungen; zuerst blockierte, die Handbremse, was Mesi mit anschreien, gefolgt von rütteln am Bodenzug in ca. 3 Sekunden behob. Der herabhängende Auspuff hingegen war etwas aufwendiger, konnte dann jedoch ebenfalls mit Lautstärke und Eisendraht gerichtet werden.

So ging es dann munter von Serpentine zu Serpentine, von Flussbett zu Flussbett und von Schafherde zu Ziegenherde.

Kalaikhum – Nach Afghanistan über die Fußgängerhängebrücke

Spät und in Dunkelheit erreichten wir dann unser nächstes Ziel Kalaikhum neben der bekannten Ruzvat-Brücke und konnten in einem kleinen Guesthouse, welches über einen Fluss gebaut wurde, beim Geräusch rauschenden Wassers ein paar Stunden schlafen. Unser eigentlich herausgesuchtes Hotel verlangte 200$ für die Nacht, was vermutlich dem Ort zu einem neuen Fußballstadion verholfen hätte… Das zuvor eingenommene Abendessen verdient den zweiten Teil des Substantives nicht und wurde mit dem Besuch einer ziemlich beeindruckend großen Schabe quittiert. Dafür war das Frühstück wenigstens ebenso schlecht. Tadschikistan ist kein Land für Gourmets – beim Blick auf einleitende Worte ist dies jedoch mehr als verständlich und verkraftbar.

Die anschließende Tagesetappe verlief reibungslos; Fahren, Aussteigen, Schieben, Einsteigen, Aussteigen, Schieben, Einsteigen, Aussteigen, Schieben, … und zwischendurch prüfen, ob alles dran und fest ist und alle Reifen Luft haben.

Khorog – Links oder rechts herum?

So erreichten wir fast pünktlich und auch fast im Hellen unser Tagesziel Khorog. Auch hier war der Platzhirsch unter den lokalen Hotels wieder lächerlich teuer und wir fuhren los, Klinkenputzen. Das erste Hotel/Guesthouse war nicht zu finden, das zweite nicht zu erreichen und das dritte klang komisch. Also hielten wir uns an die Beschilderungen des Ortes und landeten glücklicher Weise im „Welcome Inn„, wo uns eine sehr nette Dame uns ein beeindruckend sauberes Zimmer mit Frühstück. Das Bad befand sich außerhalb des Hauses – was sich später als Norm herausstellen sollte. In der Herberge trafen wir noch zwei Schweizer, welche zum dritten Mal im Pamir Fahrradfahren und uns einige sehr gute Tipps für Land, Leute und Route gaben. Das Bett war eine Pressspanplatte in einem Hochbettgestell auf dem eine Decke als Matratze lag. Diese doch etwas hart Konstruktion, gepaart mit knappen 3.000m üNN, ließen mich zumindest nicht mehr als zwei Stunden schlafen, sodass ich die meiste Zeit durch das Haus und den Garten tigerte und Wikipedia-Artikel las.

Die Schweizer rieten uns zu der südlichen Route, da diese zwar etwas unwegsamer, aber ungleich schöner sei…

Zelten auf dem Pamir

Auch erhielten wir von den Schweizern GPS-Koordinaten zu einem Platz, welcher von der Straße nicht einsehbar sei und man windgeschützt Zelten könne. So fuhren wir also los und konnten den beiden namenlosen Kollegen nur zustimmen; Es. Ist. Der. Wahnsinn! Links und rechts ragen kilometerhohe Berge hervor. Dahinter noch höhere und dahinter dann schneebedeckte Kuppen aus Afghanistan, Pakistan, China.

Die „Straße“ schlängelt sich zwischen Felswänden und Abhang zum Grenzfluss. Alle paar Minuten begegnet man einem anderen Auto, meist Toyota Land Cruiser oder auch mal einem Landrover Defender (meist mit echten britischen Kennzeichen). Die Lkw kommen meist Schwungweise, da sie nur zu bestimmten Zeiten bestimmte Ortschaften durchfahren dürfen. Die Brücken über die kleinen Zuflüsse sind scheinbar noch aus Sowjetzeiten und bestehen aus maroden Stahlbetonplatten. Aber wenn ein Lkw mit Anhänger darüber rollen kann, dann kann es der Polo erst recht.

Die Anstiege werden mitunter steiler und die „Straße“ noch schlechter. So holpern wir über Geröll und Sand mal auf, mal ab. Nur die Kontrollposten alle paar Kilometer brachten etwas Abwechslung.

Das letzte Stück der Route war für unseren Polo fast nicht mehr machbar und wir mussten mehr schieben als fahren… was nach dem Schieben ja nicht stoppte, da die Schieber danach den Hang hinauslaufen mussten. Schätzungsweise 1.000 km haben wir an dem Tag erlaufen. Zumeist Caius und ich, da Mesi das Spiel mit der Kupplung besser konnte und auch bei mir aussichtslos erscheinenden Hängen den Polo in den Galopp brachte. Außerdem kann ich wohl einfach gut schieben… 😉

Unser Tagesziel erreichten wir auch durch einen erneuten, vierten platten Reifen nicht. Diesmal versagte das Pneu hinten links. Als eingespieltes Team brauchten wir aufgrund der Höhe jedoch etwas länger.

Kurz vor Sonnenuntergang und kurz vor unserem eigentlichen Schlafplatz trafen wir auf eine Gruppe von acht Neuseeländer*innen und zwei Kleinwagen aus der Mongol Rally, die am Flussbett campten. Wir gesellten uns dazu, hatten ein kleines Abendmahl und konnten bereits kurz nach Sonnenuntergang einen der (oder vielleicht auch der!) beeindruckendsten Sternenhimmel jemals beobachten. Man sah die Milchstraße förmlich aufgehen und die Erdkugel wie einen Ring umspannen. Die Kamera war geladen und ein paar Tipps hatte ich mir bei den vorherigen Begegnungen mit Fotografen anderer Teams und von den Neuseeländern geholt. Es gibt wenig Fotos ohne Sternschnuppe(n) drauf – wirklich und wahrlich beeindruckend schön.


unsortiert und zusammengewürfelt


Samarkand und der Weg nach Tadschikistan

Samarkand – muslimische Geschichte bis ins sechste Jahrhundert zurück

Über mehr als zufriedenstellende Straßen in Samarkand angekommen, bezogen wir unser kleines Bed&Breakfast in fußläufiger Entfernung zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Leider stellte sich heraus, dass ausgerechnet die größte und beeindruckendste (ehem.) Koranschule wegen einer Probe für Theater oder Oper geschlossen war. So bummelten wir also von einer Moschee zur nächsten, lasen ein wenig in Wikipedia über die entsprechenden Bauten und schlenderten noch kurz über einen Markt.

Beeindruckend war die Bibi-Chanum-Moschee mit ihrer sagenreichen Geschichte.

„Nach Usbekistan reist man nicht wegen des guten Essens“ stand in einem Führer zu lesen und wir konnten uns auch davon wieder einmal überzeugen, als wir spät abends ein sehr gut bewertetes Restaurant besuchten. Aber ein großes Glas Vodka und eine extrem geringe Rechnung (~10€ für drei große Bier, zwei Vodka, eine große Flasche Wasser, zwei Hauptspeisen, einen Vorspeisensalat) ließen darüber hinwegsehen.

Tadschikistan – Die Grenze und Duschanbe

Für uns ungewöhnlich erreichten wir doch diesmal pünktlich die geöffnete Grenze und stellten uns in die Schlange wartender Autos in die pralle Sonne. Versuche sich vorzudrengeln (auch gerne als „aktives Anstehen“ bezeichnet) blieben erfolglos. Knappe drei Stunden später waren wir an der Reihe und wurden recht zügig für die Ausreise abgefertigt. Da sämtliche Formulare auf Russisch waren und ich zwei mal kompletten Blödsinn in die Felder schrieb (ich hätte dann doch noch den weiterführenden Russischkurs belegen sollen), übernahm einer der Offiziere die Arbeit des Ausfüllens für mich, sodass ich nur noch unterschreiben musste. Scheinbar war auch alles korrekt ausgefüllt, denn kurz drauf, war ich im Niemandsland nach Tadschikistan, wo Caius schon auf mich wartete.

Die Einreise war dank Digitalisierung der Tadschikischen Behörden ebenfalls einfach. eVisum abgescannt, Foto gemacht, Stempel in den Pass, fertig. Keine drei Minuten später waren wir fertig. Das Auto einzuführen war zwar wieder mehr Papierkram aber auch das wurde professionell, ohne Schmier… Trinkgelder und sogar mit Quittungen erledigt. Interessanter Weise dürfen wir 45 Tage im Land bleiben. Das Auto hingegen nur 15. Aber bis dahin wollen wir ja eh weg sein.

 

„Pete und seiner Drone“

Im Niemandsland erhielten wir dank SIM-Karte aus Usbekisten noch eine Whatsapp-Nachricht in der Großen Rally-Gruppe, dass eine amerikanischer Staatsbürger kurz hinter der Tadschikischen Grenze in einem Ort aufgrund eines Visa-Problems festsaß, bald seine Papiere erhält und eine Mitreisemöglichkeit benötigte. Da wir zu weit unterwegs waren, meldeten wir uns bei ihm, machten einen Treffpunkt aus und fuhren los. Wir fanden ihn nach kurzer Suche in einem lokalen Hotel und nach nur einer knappen Stunde packen, konnten wir dann weiter…

Es stellte sich heraus, dass Pete das zweite Mal Visa-Problemchen hatte und bereits zum zweiten Mal von seinem Team sitzen gelassen wurde… Desweiteren ist er beruflich Fotograf und wollte sich mit ein paar Bildern und Videos bei uns für die Mitnahme bedanken. An einer kleinen Brücke in einem der wundervollen Täler der Region hielten wir und er startete seine Drone für ein paar kurze Aufnahmen. Nach Landung und Verstauung der Drone ging es weiter in Richtung Dushanbe. Jedoch nur für ca. 100 Meter, bis uns drei Soldaten den Weg versperrten. Hinter einem kleinen Hügel befand sich nämlich leider ein Armeestützpunkt, den Pete quasi überflogen hatte und die Soldaten als…sagen wir einmal „semi-witzig“ empfanden. Der augenscheinlich ranghöchste Soldat der Mittlerweile fünf Mann starken Truppe kam zuerst in Badelatschen und T-Shirt auf uns zu und wurde dann eilig von seinen untergebenen eingekleidet – kein guter Start für Entschuldigungen/Verhandlungen, wenn man den OvWa weckt…

Nach Sichtung des Materials war zwar schnell klar, dass wir weder beabsichtig, noch versehentlich die Kaserne überflogen/filmten, jedoch schienen sie den Vorfall schon weiter gemeldet zu haben, denn wir sollten das Material nicht löschen und auf einen noch höheren Offizier warten.

Dank Google-Translate, entspannten Deutschen (Caius fing irgendwann an eine Tüte Chips zu essen) und netten Worten, konnten wir dann jedoch nach ca. 45 Minuten das Material löschen und durften unsere Reise fortsetzen…

 

Ansob-Tunnel – „The Tunnel of Death“

Es wurde langsam dunkel und wir wollten ja eigentlich nicht nachts fahren. Andererseits hatten wir einen Termin um 3:35 Uhr am nächsten Morgen in Dushanbe. Zudem waren die Straßen mehr als gute und die Leute fuhren gar nicht mehr so schlimm.

Irgendwann meinte Pete dann, dass wir ja gleich in den „Tunnel des Todes“ fahren. Das hatten wir so gar nicht auf dem Schirm und waren gespannt und leicht nervös. Es stellte sich heraus, dass die 2015(?) installierte Beleuchtung des Tunnels großteils ausgefallen war. Auch gab es keine Blüftung/Ventilation, Nothaltebuchten oder sonst etwas westliches. Das einzige, was es im Überfluss gab waren Abgase und Staub, was die Sicht auf ca. 10-20 Meter reduzierte. Nach Luft schnappend verließen die die 5km lange Röhre und schlängelten uns über durch chinesen gebaute Autobahnen nach Dushanbe, wo wir für ein paar wenige Stunden unser Hotelzimmer bezogen.

 

Wieder zu dritt!

Unser o.g. Termin kam näher und wir quälten uns um 4 Uhr früh zum Flughafen in Dushanbe:

Mesi war gelandet!

Nach ein paar Visa-Problemchen bei ihm (kleiner Fehler in der Passnummer) konnten wir einpacken und zu dritt weiter reisen.

 

 

 

In eigener Sache

Funkstille

Entschuldigt die Ruhe der letzten Tage und Wochen. Im Iran ist das Internet recht begrenzt und in Turkmenistan ist es wie in Nordkorea. In Usbekistan ist das Internet zwar relativ offen, jedoch einfach nicht mehr vorhanden. In Tadschikistan gibt es Internet… falls es Funkmasten und Strom gibt, was häufig nicht der Fall war/ist. Seit Kirgisistan geht es gefühlt wieder bergauf. Warten wir es einmal ab.

Standort

Wie viele bemerkt haben (und mir schrieben), ist unser GPS-Tracker seit einiger Zeit ausgefallen.

Aktuelle laufen wir noch über SPOT per GARMIN Gen3. Zu sehen ist das Ganze hier: https://share.findmespot.com/shared/faces/viewspots.jsp?glId=0NjZv30Y70TRzbiikHey8LdL9BvC9LS17

Das ist leider nicht so hübsch, wie die alte Darstellung aber das Einzige, was wir aktuell haben.

Danksagungen zwischendurch

Danke Schnorpfeil für die beeindruckende Arbeit, ein Auto, was nachweislich nicht für diese Reise geeignet war/ist, herzurichten.

1000 Dank an awesome-IT und Alwissoft, die unsere Website am Laufen halten und bisher zweimal im Notfallmodus eingreifen mussten.

Danke an Fahrrad Beelmann für diese geilen Alukisten und den Werkzeugkoffer. Das hat sich soooooo sehr bewährt und wurde/wird täglich benutzt.

3000 Dank an Klein-Übersetzungen, die bis tief nachts unseren Chaos-Blog korrigiert und übersetzt, jetzt aber selbst im Urlaub ist – daher die Latenz der Übersetzungen. :-*

Vielen Dank auch an Pepperl+Fuchs für die Klamotten, die Aufkleber und die brutalgute Zuarbeit (CS!).

Danke an Ida Grosse (nie gesehen und dennoch beeindruckende Ergebnisse erzielt!) für die ganzen Grafiken ohne die weder Aufkleber, noch Kleidung möglich gewesen wären.

Hey Neoception-Team, auch euch besten Dank für die Unterstützung und die Vorarbeit.

Danke Isy Going & City Beach für die schöne Verabschiedung – wir freuen uns jetzt schon auf eure Burger, wenn wir wieder daheim sind!

Danke Inga Klas Foto für die Bilder! Und die kommende Nacharbeit…

Danke ECOM für das vermutlich unverwüstlichste Navi der Welt.

Bukhara / Buxoro – Tausende Jahre Geschichte …und eine Menge Touristen

Hier erst einmal die Kurzform:

Nach einer tiefschlafenden Nacht im Boutiquehotel in der Altstadt erledigten wir ein paar notwendige Dinge, wie bspw. das Besorgen von Benzin. Dies ist in Usbekistan Mangelware und es gibt selten funktionierende Tankstellen mit 80 Oktan. Unser Polo möchte aber eigentlich gerne 91 Oktan haben und nach ein wenig Recherche beim Frühstück, könnte das zu einem echten Problem werden.

Zudem wollten wir seit Langem Perlensitzbezüge für unseren Raketen-Polo kaufen und so erledigten wir zuerst das eine und dann das andere und suchten uns schließlich eine Führerin, die uns grob ein paar Sehenswürdigkeiten der Stadt zeigte.

bukhara_mongol-rally-2019

-Tobi

Usbekistan – Erfrischend, leicht und locker

An der Turkmenisch-Usbekisten-Grenze angekommen, wurden wir noch von Locals begrüßt und neugierig gemustert. Wieder mit Hand, Fuß und dem Polo als Tafel zum Schreiben großer Zahlen unterhielten wir uns über fast eine Stunde mit den wartenden Turkmenen über unsere Reise und politische Themen globalen Ausmaßes… Was soll ich sagen; die Leute kennen sich aus; Merkel ist tough und Trump verrückt. Nur bei Gorbatschow gingen die Meinungen leicht auseinander, was jedoch mit allgemeinem Schulterzucken und lautem Lachen weggewischt wurde.

Ca. 15 Minuten vor Grenzöffnung wurden wir bereits an allen vorbeigewinkt und durften das Niemandsland durchqueren. Wieder gab es viel Gewinke und noch mehr Glück für die Reise.

Die Ausreise aus Turkmenistan war lt. Rally-Whatsapp-Gruppe mit ein wenig Schmiergeld für das Carnet de Passages und den Passstempel verbunden – auch hier wieder kompletter Quatsch! In Windeseile und Grundsätzlich mit einem Lächeln wurden die Formalitäten geklärt und *zack* waren wir ausgereist.

Die Einreise verzögerte sich etwas. Vermutlich weil wir einfach zu früh waren. So blieb mir Zeit, mich mit einem italienischen UNIMOG-Fahrer zu unterhalten, welcher seit Jahren immer mal wieder für ein paar Monate reist und das „Auto“ dann im Ausland einlagert und heimfliegt, bis er weiter reisen kann. Das klingt nach irre viel Spaß!

Auch über die usbekischen Grenze hörten wir viel Negatives. U.a. von dem o.g. Italiener, der sich auf einen sechsstündigen Grenzübertritt wappnete… Ihr ahnt es? Völliger Quatsch. Nach nicht einmal 90 Minuten waren wir problemlos eingereist durften direkt hinter der Grenze noch einmal entspannt unsere turkmenischen Manat in usbekische SOM tauschen, bevor wir uns auf die Suche nach einer Versicherung und Frühstück/Mittag machten.

Nach dem Iran und Turkmenistan waren wir positiv überrascht und gar erfreut über den Trubel auf den Straßen und der spontane Wegfall des Gefühls der permanenten Beobachtung. Nur die Gastfreundlichkeit blieb. So fragten wir uns von den illegalen(?) Geldwechslern hinter der Grenze durch bis zu einem Café, indem wir aßen und von dem aus wir Bank, Versicherung und SIM-Karte klären konnten. Gäste des Lokales ließen alles stehen und liegen und fuhren mit uns zur Bank und zum Basar, da auch in Usbekistan sonntags nicht alle Geschäfte geöffnet haben.

Am Basar wurden wir zwar nicht fündig, jedoch flippten alle Menschen geradezu aus, als sie mich mit der Kamera sahen und posierten für ein Bild.

Aufgrund des unfreiwilligen Verzögerung, fuhren wir komplett bis Bukhara durch und begaben uns tags drauf erst zum Sightseeing…

-Tobi

Ashgabat ist nicht Turkmenistan!

So wenig, wie New York die USA ist oder Shanghai China oder auch Berlin Deutschland wiedergibt, so wenig ist Ashgabat Turkmenistan.
Natürlich gelten Dekrete des „großen Führers“ – wie beispielsweise der Erlass, dass sich jeder Turkmene ein Fahrrad zulegen muss! – für das komplette Land, die Dichte an weißen Fahrzeugen z.B. nimmt jedoch massiv ab. Ebenso, wie die Qualität der Straßen. In Ashgabat noch über fünfspurige Stadtautobahnen mit perfekt gezogenen Straßenmarkierungen gerollt, rumpeln wir seitdem auf immer schlechter werdenden „Straßen“. Teilweise ist der Grünstreifen besser befahrbar, als der (ehemals) asphaltierte Bereich.
Schlaglöcher so groß wie Badewannen, Sandlöcher und vor allem der apruppte Wechsel zwischen relativ guten Strecken und dem Fahrbahnbelag des (Auto-)Teufels ließen die Durchschnittsgeschwindigkeit Richtung usbekische Grenze auf unter 30km/h fallen. Hinzu kam noch ein platter Reifen durch ein unachtsam angefahrenes Schlagloch.

Nahe der Grenze in Köneürgench angekommen, fand Caius sofort den kleinen Reifenspezialisten des Dorfes in einem absolut unscheinbaren Häußchen am Straßenrand. Nur der aufgebockte 5er BMW und ein kleiner Stapel Reifen ließen erahnen, dass man hier seine Pneus richten lassen kann.
Die Reperatur, inkl. abziehen des Mantels, Prüfung des Schlauchs (wir fahren mit Schläuchen), Prüfung des Mantels, Flicken des Schlauchs, Auswuchten, zurücktauschen des Rades, kostete 10 Manat… nicht einmal 0,50€!

Auch die Suche nach einem Restaurant gestaltete sich schwierig, da auch diese nicht angepriesen waren – von Google Maps ganz zu schweigen.
Dennoch entdeckte ich im Augenwinkel ein Bild von einem gefüllten Teller, sodass wir schnurstracks daraufzusteuerten.
Vor dem Lokal wurden wir von einem freundlichen Turkmenen auf Deutsch begrüßt. Er und seine zwei Begleiter folgten uns ins Restaurant und übersetzten für uns – Englisch wird hier nicht wirklich mehr gesprochen und mein Russisch ist dann doch zu schlecht.
Es gab Lahmachun und Pide. So aßen wir noch schnell Frühstück, Mittag und Abendbrot in einem und wollten schnell zur Grenze.
Überraschenderweise hat der neue Kumpel aus Turkmenistan die Rechnung beglichen. 82 Manat! Einfach so. Aus Gastfreundlichkeit. Das wäre in Deutschland wohl ein Pressebericht wert.

Angekommen an der Grenze wurden wir von vier Militärs auf turkmenischer Seite harsch aufgehalten und durften uns dem Zaun zum Niemandsland auch nicht näher als drei Meter nähern. Die vermeintlich 18-jährigen mit Sturmgewehren deuteten uns zur Umkehr und nach ein wenig „Hand-Fuß-Google-Translate-Russisch“ war klar: die Grenzen sind abends zu. Alle.
Der Blick nach rechts und links erinnerte stark an den ehem. Todesstreifen der innerdeutschen Grenze. Es würde mich nicht wundern, wenn in dem ca. zwei Meter breiten Streifen zwischen zwei Zäunen tatsächlich Minen liegen!

So drehten wir also um und suchten uns eine Bleibe. Das einzige „Hotel“ des Ortes war ein Sammelsorium aus sieben alten Soviet-Betten pro Raum, bezogen mit (dreckiger) Kinderbettwäsche und einem Badzimmer, das eher dreckig als sauber macht.
Ein turkmenisches Gesetz schreibt vor, dass man nicht Campen darf, wenn es im Ort ein Hotel gibt. Nach der letzten Begegnung mit dem Geheimdienst(?) in Ashgabat, hatten wir recht wenig Lust auf eine erneute Konfrontation.
Genervt, frustriert und müde suchten wir uns aus den Betten das Bettzeug mit dem wenigsten Mäusekot und schliefen mit wummernden Bässen der angrenzenden Nachbarschaftsparty ein.

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-Tobi