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Siegerpodest und eine sibirische Rückreise

Auf vielfachen Wunsch eines Einzelnen sind hier noch einmal die dedizierten Bilder unserer Zieleinfahrt.

Die spontane Rückreise mit dem Polo

Danach machten wir uns auf den Rückweg… die 8.570 km Rückweg werden wir vier (der Polo ist ja mittlerweile Team-Mitgleid) wie im Fluge abreißen.

Nach Kasachstan und der Mongolei folgte nun eine andere Weite. Die sibirischen Birkenwälder. Unsere Tagesziele waren sportlich, aber machbar. Doch nach den ersten zehn Stunden Birkenwald, wirkte das vorbeirauschende Weiß fast wie ein Strich-Code…

Der Polo macht(e) sich zunehmend bemerkbar und so wird nicht nur der Motor vom Geschrei des Getriebes übertönt, sondern auch das Fahrwerk resigniert so langsam an den Herausforderungen der Strecke. Mit lauten Schlägen quittiert es jede(!) noch so kleine Unebenheit der Straße. Der Motorraum wird ebenfalls immer öliger und hinterlässt auf so manchem Parkplatz eine kleine Spur.

Die Städte in Sibirien sind trist und grau. Zusammen mit dem kalten Regen läd es kaum zum Verweilen ein, was uns nur schnell weiter Richtung Westen treibt.

Erst in Kazan wird es wieder etwas freundlicher und Mokau übertrifft natürlich wieder alles in Russland.

Die Grenze in die Ukraine war schlussendlich eine der einfachsten der Reise, wenngleich zwischenzeitig ein Alarm die Grenzer zusammenzucken ließ und bewaffnete Soldaten in Schießscharten rannten…

Nur noch knappe 1.700 km trennen uns von daheim… weiter geht’s.

Auf der Zielgeraden

„Mit Handbremse“ nach Ulan-Ude

Die Straße war ebenerdig. Nicht neu, dass sah man an den abgenutzen Markierungen, aber würde man sie auf eBay oder ReBuy verkaufen, wäre es ein „Neuwertig“. Ganz gerade war sie. Die Mitte leicht gewölbt, damit das Wasser des Regens ablaufen kann. Kein Flicken zu sehen. Von Schlaglöchern ganz zu schweigen. Ein Kunstwerk in Grau. Poröse Oberfläche, gebaut, um täglich Hunderte Tonnen an Last zu tragen. So rollte der Polo entspannt einer Ruhepause für das geschundene Fahwerk entgegen.

…und dann sahen wir sie. Mit Camping-Tischchen, Stühlen, thailändischem Tiger-Bier und einem nach Hilfe rufenden Schriftstück am Straßenrand stehend, von einem Schraubenschlüsse vor dem Umkippen gestützt… Team „Yurtin‘ 4 a Squirtin‚“ war liegengeblieben.
Ein kurzer Seufzer ging durch den Inneraum und Blinker setzend näherten wir uns den beiden Jungs und dem Mädel, welches wir bisher nur von Social Media kannten.
Etwa 50 km vor Ulaanbaatar (die zwei Tage entfernte Hauptstadt der Mongolei) hatte die Zylinderkopfdichtung aufgegeben, was dem Antrieb des Suzuki Swift den Dolchstoß versetzte. Sie schafften es zwar, sich und das Auto aus der Mongolei zu befördern, saßen nun aber in Russland fest.
Wir verabschiedeten uns von dem japanisch-kanadischen Motorradfahrer, ebenso wie von der Vorstellung, endlich einmal ausgeruht und pünktlich anzukommen und schnallten das Fremd-Kfz hinter den Raketen-Polo, welcher wieder einmal sein Können unter Beweis zu stellen hatte. Diesmal ging es um die Zugfestigkeit der Heckschürze, sowie der Umsetzung des 45-PS-Triebwerks auf die Straße. Die 145er Rennbereifung fraß sich förmlich in die eingangs blumig erwähnte Fahrbahndecke und so tuckerten wir der Ziellinie in 232km Entfernung entgegen – oft im ersten Gang bergauf.

Ähnlich wie schon an der armenisch-iranischen Grenze wechselte auch hier die Vegetation recht abrupt, wenn auch noch ca. 100 km südlich der aktuellen Grenze in der Mongolei.
Dennoch fuhren wir durch dichteste Wälder auf nahezu perfekter Straße. Wenn auch öfter mal im ersten Gang des geflickte Getriebes, welches gerne mal den Motor übertönte. Die Fenster wurden heruntergekurbelt und die Heizung aufgedreht, um der steigenden Temperatur des Motors Herr zu werden.

Wir haben es geschafft!!!

Schlussendlich erreichten wir Ulan-Ude und lieferten das Team an der Ziellinie ab. Danach ging es ins Hotel zum Umziehen und anschließendem Überqueren des Fotomotivs, was das offizielle Ende der Rally bedeutete.
Wir hatten Glück und bei unserer Ankuft feierten sich einige Teams selbst und gegenseitig, sodass wir direkt durchfahren und uns auf das Podest stellen konnten.
Fahnen wurden geschwenkt, Rauchbomben gezündet und die umstehenden Teams applaudierten. Auch gab es einen Willkommensschal – ein IMHO Buddhistischer Brauch, bei dem dem Gast zur Begrüßung ein Schal umgehängt wird.

Und dann diese Leere…

Das war’s. Aus, aus, es ist aus. Team teilzeitabenteurer.de hat die Mongol Rally 2019 geschafft.
Auf 4.655 m üNN Schnappatmung gehabt. Schon beim Start einmal vom Sommergewitter überrascht worden. > 50 °C im Auto. Die Hand aus dem heruntergekurbelten Fenster fühlte sich an wie der Griff in einen Ofen mit Umluft. Unzählige Wasserflaschen getrunken. Sieben Wochen im Auto gelebt. Steine nach Afghanistan geworfen. Mehrer Kilogramm an Staub eingeatmet. In Turkmenistan mit der lokalen StaSi aneinandergeraten. Alte Freunde wieder getroffen. Neue Freunde gewonnen.
18.697 km Schweiß, Blut und Öl. Wie oft war es eklig, schmutzig, stinkend, laut, staubig, rußig, klebrig, glitschig …
Nicht selten wurde nach dem Warum gefragt. Manches Mal eine kürzere Route in Erwägung gezogen. Nächte verflucht. Bitterlich und Zähne klappernd gefrohren. Hotels mürrisch verlassen.
Es war die Hölle… und ich werde jede Minute davon vermissen.

Vorwärts immer…

Doch nun? Da steht man also. Fein rausgeputzt auf einem Podest. Und weiß gar nicht so recht, was man machen soll. Schließlich lebte man ja quasi nur für den Vortrieb…

Ach was soll’s.

WIR FAHREN DEN POLO DURCH RUSSLAND ZURÜCK!

Nach der Feier ist vor der Feier

Wir standen noch ein wenig mit den Teams zusammen und es wurden noch einige Fotos und Dronenbilder geschossen. Dazu erzählte man sich die absurdesten Geschichten der Reise. Auch musste noch ein wenig Papierkram erledigt werden, war es doch eine offizielle Rally und der Veranstalter war interessiert an dem Verbleib des Kfz.
In großer Runde wurde entschieden, dass wir alle gemeinsam in den örtlichen Irish Pub gehen und das Bestehen der Mongol Rally weiterfeiern wollten. Wir ließen den Polo an der bewachten Ziellinie zurück, schnappten uns ein Taxi und brausten in die Innenstadt, in der noch eine beeindruckend große Lenin-Büste den Marktplatz schmückte. Als Erste im Pub angekommen, stärkten wir uns mit einer interessanten Mischung aus irischer und russicher Fastfood-Küche und gesellten uns zu den anderen, eintrudelnden Teams.

Dem eher unglücklichen Umstand, ein anderes Team 232 km abgeschleppt zu haben, folgte die Ausschüttung von Karmapunkten und es gelang uns, dem Team einen Gefallen abzuringen, sodass Mesi zu Mitternacht noch seinen Geburtstagskuchen erhielt.
Mit lautem Happy-Birthday-Gesang, der zuvor heimlich im Gewühl instruierten Rally Teams, wurde der neue Tag eingeläutet…

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Essen in Pjöngjang und dann nach Russland

Einmal Pjöngjang und zurück

Schon vor der Ankunft in Ulaanbaatar lasen wir von einem nordkoreanischen Resraurant – dem „Pjöngjang“ – was selbstverständlich unsere Aufmerksamkeit auf sich zog. Wir fuhren also den Polo heim und suchten uns ein Taxi. Es scheint in der Mongolei keine regulären Taxis zu geben – warum auch, wenn es nur eine einzige, wirkliche Stadt gibt?! Wir stellten uns also an die Straße und taten das, was auch die Locals machen, wenn sie eine Mitfahrgelegenheit suchten; wir deuteten mit dem Zeigefinger der fast komplett geöffneten Hand auf den Boden. Und siehe da. Nach wenigen Sekunden hielt auch ein Auto an. Per Google Maps wurde das Wunschziel erklärt und daraufhin ein Preis festgesetzt. Anschließend reihten wir uns im scheinbar permanent schlimmen Stau der Stadt ein und schlichen, laute Musik aus dem Radio bollernd, durch den Abend. Zwischendurch fiel uns noch auf, dass es drei verschiedene Adressen zu dem gleichen Restaurant zu geben schien. Oder war es doch eine Kette? Wir fanden dennoch unser angepeiltes Ziel und standen zuerst vor einem Bürokomplex. Den richtigen Eingang findend fuhren wir selbstsicher ins 16. und damit höchste Stockwerk, um dann doch noch eine Etage zurück nach unten zu müssen.
Es erwartete uns ein Atrium mit großem Gastraum in der Mitte, umsäumt von einem balkonartigen Umlauf (im 16. OG). Hängepflanzen säumten die sonst eher kalt wirkenden Betonpfeiler und die Garderobenständer aus Holz wurden durch künstliches Vogelgezwitscher umrundet. Dazu lag noch etwas Propagandamaterial aus, in welcher der „große, ewige, beste, tollste Führer“ bei verschiedenen Tätigkeiten abgelichtet und die Akitivitäten blumigst umschrieben wurden.
Freundlich wurden wir von drei Kellnerinnen und einer vermeintlichen Bar-Cheffin begrüßt. Das zuvor angelesene bewahrheitete sich und so wurden wir direkt gebeten, keinerlei Bilder zu machen (die wenigen, die wir dennoch schafften zu schießen, sind angehängt). Der gesamte Raum war mit Kameras ausgeleuchtet und die Bedienungen trugen alle Funkgeräte mit Ohrsteckern. Die Karte war glücklicherweise bebildert und wir konnten mit Hand und Fuß ein paar Gerichte und sogar original nordkoreanisches Bier bestellen.
Das Bier war nicht außergewöhnlich gut, aber dafür ganz schön teuer.
Das Essen wiederum war sehr lecker und kam z.T. auf einem heißen Kiesbett auf einer heißen Platte.
Wir blieben, bis das Restaurant schloss und fuhren von Eindrücken des Tages überwältigt schweigend heim, wo wir schnell ins Bett krabbelten.

Auf nach Russland – aber vorher zum Markt

Die Straße nach Darchan (der mit knapp unter 100.000 Einwohnern zweitgrößten Stadt der Mongolei nach Ulaanbaatar!) soll lt. vorangefahrenen Rally-Teams schlecht sein und so planten wir direkt eine Zweitagesetappe für die gerade einmal knapp 500 km lange Strecke.
Somit blieb noch Zeit, um über den Markt zu schlendern, welcher am Vortag verschlossen war. (In Ulaanbaatar haben scheinbar alle Geschäfte unterschiedliche Ruhetage.)
Wir wollten noch ein paar Souveniers kaufen und ließen uns vom Gewühl treiben. Schnell fiel eine klare Trennung der Stände in Grüppchen nach Spezialisierung. So starteten die Stände mit Rucksäcken und Taschen, gefolgt von Pullovern und Jeans. Danach kam ein kleiner Bereich mit Fellen, der in einen Teil für Leder überging. Hier wurden wir von einem ganz offensichtlich fünfjährigen Mädchen in perfektem Deutsch angesprochen, das uns mitteilteilte, dass sie eben heute ihren fünften Geburtstag feierte. Irritiert nach Wochen der sprachlichen Isolation von einem asiatischen Kind auf einem riesigen Markt angesprochen zu werden, stotterten wir Glückwünsche, woraufhin die Kleine sich lächelnd verabschiedete und zu ihrem Vater trottete…
Wir erreichten die Stände mit „Antiquitäten“ und anderem Kram vom Grabbeltisch und mussten feststellen, dass gewisse Swastika noch Verbreitung in der Mongolei finden. Diese fanden Verwendung in Decken, Zäunen, Sätteln, Schmuck, Ansteckern und sogar offensichtlichen Tattoos am Hals. Darüber hinaus sahen wir eine beträchtlich Anzahl an Büsten ehemaliger Diktatoren – auch aus Deutscher Vergangenheit – welche feilgeboten wurden.
Das Ganze dann zwischen buddhistischen Gebetsmühlen, Instrumenten aus Tierschädeln und Rasenmähern. Ein wirrer Mix.
Nur zu Essen gab es nichts, weswegen wir uns zum Abschluss mit etwas Квас begnügten.

Die Straße aus der Hölle!

Wir machten uns auf den Weg gen Norden und mussten den vorangefahrenen Teams beipflichten, dass die Strecke (um nicht mehr von „Straße“ zu sprechen) wirklich schlecht war. Die eigentliche Autobahn wurde renoviert und war gesperrt. Daneben hat man mit zum Teil ausufernden Schleifen eine Mischung aus Abraum, Fels, Kies und Beton zu einer fahrbahnähnlichen Formation erschaffen, über die man nun für ca. 200 km bis nach Darchan hüpft. An ein Fahren jehnseits der 20 km/h war nicht zu denken. Selten wurde der zweite Gang genutzt. Und irgendwann machten wir es wie die Mongolen und fuhren einfach über die Wiesen neben der Behelfsstraße. Soweit es ging jedenfalls. Das nötig Auf- und Abfahren gestaltete sich mitunter als schwierig, da es immer wieder mehr oder weniger natürliche Gräben gab, die ein Überqueren erschwerten oder unmöglich machten.
Wir verloren immer mehr an Zeit und waren nach ein paar Stunden im absoluten Nichts der Mongolei zwischen Baustelle, Horror-Straße, Feldweg und Gräben. Unsere kleinen Scheinwerfer leuchteten die Fahrtrichtung nur mäßig aus und so schleppten wir uns zum Teil im Schrittempo durch die Steppe.
Nach ca. 8 Stunden für knappe 280 km erreichten wir dann ohne Reservierung Darchen, fanden glücklicherweise eine billige Unterkunft („No breakfast! Cook sick!“) und fielen gerädert in die dreckige Bettwäsche.
Wir kürten diesen Abschnitt der Strecke zum schlechtesten der gesamten Rally!

Nach unentspannten 4 Stunden Schlaf ging es weiter zur Grenze. Die Straße war wieder auf deutschem Dorfstraßen-Niveau und wir erschraken über die sich schnell umdrehenden Rädchen des Kilometerzählers. An der Grenze angekommen, war der mongolische Teil der Ausreise wieder problemlos und nach fünf Stempeln und drei Unterschriften waren wir im Niemandsland. Wir trafen einen Japaner mit kanadischem Pass, welcher eine der Mongol Rally ähnliche Strecke von England nach Wladiwostok fuhr. Er traf bereits auf mehrere Teams und fuhr ebenfalls extrem schlechte Straßen. Mit ihm redend verging die sinnfreie Wartezeit am Einlass zur Russischen Grenze wie im Flug und so wurden wir auch gefühlt recht zeitnah kontrolliert. Die Visa waren i.O. und die Formalitäten für das temporäre Importieren des Pracht-Polos verlief ebenfalls zügig. Nur bei der Kontrolle der Reiseapotheke wurde diesmal mehr Wert gelegt und so mussten wir jede Tablettenpackung erklären. (Was natürlich kompletter Quatsch ist, eine durchsichtige Apothekenverpackung zu durchleuchten, 3 m³ Gepäck, Aluminiumkisten und Innenraum zu ignorieren.) Selbstverständlich war alles legal und wir durften einreisen.

Ein Besuch im „Verbist Care Center“

Wie bereits angekündigt, hatten wir einen Hilferuf aus dem Waisenhaus „Verbist Care Center“ aus Ulaanbaatar erhalten. Mit der Bitte die Problematik einmal zu kommunizieren, wurde ein Kontakt geschlossen und wir wurden zu einem Besuch der Einrichtung eingeladen.

Mit einiger Verspätung (der Verkehr in der Hauptstadt ist einfach unbeschreiblich) erreichten wir das Waisenheim und wurden sofort vom Fahrer/Security als Besucher identifiziert und gebeten auf dem Hof zu parken.

Bruder Simon Mputu Hgandu empfing uns noch auf dem Hof und führte uns ins 2. OG in das Büro der Direktorin, welche nicht zugegen war. Er selbst war seit fünf Jahren in der Mongolei und seit zwei Jahren im „Verbist Care Center“ Waisenheim.

 

ZDF (Zahlen, Daten, Fakten)

Seit 24 Jahren existent, beherbergt das Haus aktuell vierzig permanente Kinder und sieben Wochenendschläfer, welche sonst im Internat unterrichtet werden. Die Kinder werden zwischen drei und neun Jahren aufgenommen und kommen meist über die Polizei zum Heim. Für Kinder jünger als drei, gibt es eine alternative Einrichtung, ein „Kindergarden“ wie Simon sagte, im Norden Ulaanbaatars. Kinder älter als neun Jahren, müssen ebenfalls zu einer alternativen Einrichtung.

Die Gründe, um ein Leben als Waise in der Mongolei führen zu müssen, sind vielfältig. Am meisten berührte (und schockte!) mich eine Geschichte eines kleinen Mädchens, welche zusammen mit ihrem Bruder von der Familie verstoßen wurde, weil mit ihrer Geburt Unheil über die Familie kam und der lokale Schamane dies auf die Tochter zurückführte. Die Familie wurde nach der Aufnahme der Kinder mühsam ausfindig gemacht, jedoch wurde nur der Bruder wieder aufgenommen. Das kleine, bildschübsche und, lt. Simon, sehr aufgeweckte Mädchen ist mittlerweile zwölf Jahre alt und weiß um ihre Situation. Ihr Bruder kommt sie ab und zu besuchen. Aber eine Familie hätte sie ohne das Heim de facto nicht mehr.

Wir gingen in die Kantine und tranken Milchtee mit Gebäck. Beim anschließenden Rundgang sahen wir die makellos sauberen und ordentlich aufgeräumten Zimmer. Es gab drei Gruppen: die Jungs, kleine Mädchen und große Mädchen. Jeweils gab es eine/n Gruppenvorsteher/in, welche sich um die Ordnung aber auch um die Belange kümmerten. Der Jungenvorstand wirkte mit seinen ca. zwölf Jahren eher wie Mitte zwanzig und schaute genau darauf was wir in „seinem Gebiet“ machen und schloss die Türen anderer Kinder hinter ihnen.

Um die 3 Gruppen kümmern sich insgesamt 12 „Angestellte“:

1 Köchin

1 Direktorin

1 Bruder Simon

1 Fahrer/Security

4 Rund-um-die-Uhr-Schichtler

1 Teilzeit-Krankenschwester

…und weitere plus eine Menge freiwillige Helfer.

 

Als wir in das Zimmer der Krankenschwester gingen, sahen wir einen kleinen Raum mit zwei Stockbetten. Hier war die Quarantäestation der Einrichtung und neu aufgenommene Kinder wurden hier zur Beobachtung verbracht. Es gab zwei Neuankömmlinge. Brüder. Der Vater war scheinbar alleinerziehend und stark alkoholkrank, sodass die Jungs nicht im Ansatz ein „normales Leben“ führen konnten. Lt. Simon war der Rücken der Kinder von Narben übersät, welche der Vater den Kindern wohl im Vollrausch zufügte…

 

Im Keller des Hauses gab es neben einem „Partyraum“ auch eben den problembehafteten Heizungskeller, welcher aktuell notdürftig mit Boilern und Radiatoren funktionsfähig gehalten wird. Die Rohre wurden geflickt und es leckt auch kaum noch. Um 59 Personen (aktuell 47 Kinder und 12 „Angestellte“) durch den Winter zu bringen dürfte es jedoch nicht halten. Die Winter sind eisig in der Mongolei. Temperaturen und -30°C sind keine Seltenheit und auch -40°C sind durchaus möglich. Die Schulen sind den kompletten Januar geschlossen, da es einfach zu kalt ist, um Kinder in die Schule schicken.

 

Als wir Simon anschließend den Polo zeigten schmunzelte er und deutete auf einen Renault Kangoo ohne Kennzeichen im Hof, welcher von Weltreisenden gespendet wurde, er ihn aber seit mehr als zwei Jahren nicht angemeldet bekommt.

Zudem scheint die Regierung auch nicht gerade hilfreich zu sein. So wird dem Verbist Care Center von offizieller Seite wohl häufig Unterschlagung/Steuerhinterziehung vorgeworfen, da man davon ausgeht, dass Gewinn erwirtschaftet wird. Und das, obwohl als NGO alle Bücher und Konten offen liegen.

 

Wir hatten zuvor noch etwas Spielzeug gekauft und auch eine Notfallration iHv 30 kleinen Haribos-Tüten im Auto, welche wir direkt den Kindern dalassen wollten. Simon meinte jedoch es sei netter für alle, wenn man es direkt übergibt und so wurden die Kinder kurzerhand zusammengetrommelt, reihten sich auf (Mesi wurde als „Vordrängler“ von einem ca. 6 Jahre alten Mädchen zurechtgewiesen und auf seine Position geschoben (siehe Bild unten), bedankten sich lautstart und fielen über die Mitbringsel her.

 

Bei der Verabschiedung sahen wir noch einen Jungen auf der Bank sitzen und Simon meinte, dass er bereits 18 sei, seinen High-School Abschluss erreicht hatte und nun studierte. Er wurde als Kind zusammen mit seiner Schwester auf einer Müllkippe gefunden und war aufgrund von Problemen an den Beinen mit sechs Jahren noch nicht in der Lage zu laufen. Seine Schwester verstarb kurz nach dem Auffinden. Der Bengel benötigte sieben Operationen damit er aufrecht gehen konnte. Eins smarter, junger Mann, der nun Informatik studiert. Die Universität ist hier nicht kostenfrei und so muss immer ein Sponsor gefunden werden, der die Studiengebühren und ein Wenig der Ausrüstung trägt.

 

Es gab einige Erfolgsgeschichten in der Vergangenheit des Hauses. So ging ein Waisenjunge zum Militär und wurde Offizier. Ein Waisenmädchen wurde im „Zentralabitur“ zweite und studiert nun auf den Philipinen Psychologie dank stipendium. Auch wurden wir auf ein Bild aufmerksam, dass ehem. Heimkinder bei dem Jährlichen treffen zeigt. Viele scheinen gut ausgebildete Erwachsene zu sein. Einige haben bereits selber Kinder auf den Bildern.

 

Diese Erfolgsgeschichten und der makellose Zustand der Einrichtung lassen keine Zweifel, dass hier vernünftige und nachhaltige Lösungen erdacht und konsequent umgesetzt werden.

https://www.betterplace.me/verbist-care-center-warm-water spenden wäre cool. Teilen wäre aber schon mehr als nett!

-Tobi

Ulaanbaatar – Aus dem nichts ins Verkehrschaos

Mongolei – Tag 5

Die Nacht in der Jurte war angenehm warm. Der Ofen heizte bis spät in die Nacht und dank ein paar Decken als Matratze und unseren Schlafsäcken war es dann doch gemutlich warm.
Zudem gab es Abends noch ein ordentliches Schälchen Airag – vermentierte Stutenmilch und Milchtee.

Am Morgen feuerten wir noch kurz den Ofen an, um ein wenig Wärme zu tanken, genossen den morgentlichen Tee und etwas, was man als dünnflüssigen Milchreis bezeichnen könnte.
Wir verstauten zügig unsere Sachen, bezahlten und waren schon wieder unterwegs.
Leider hielt die Straße nicht was sie versprach und so mussten wir knapp 11 km Umweg über die uns allzu bekannten Geröllstraßen nehmen. Danach lief es aber ganz ordentlich und wir waren optimistisch die letzten 600 km in unter 8 Stunden zu schaffen…

Wir erreichen Ulaanbaatar – Hauptstadt der Mongolei und ehem. Ziellinie der Mongol Rally

Am Abend des fünften Tages der Mongolei kamen wir endlich in Ulaanbaartar an…

Warum genau The Adventurists das Ziel von Ulaanbaatar (Mongolei) nach Ulan-Ude (Russland) verlegt haben ist nicht zu 100% geklärt. Aufgrund des zu hinterlegenden Pfandes iHv. 1.300,00 GBP beim Veranstalter für die Einreise in die Mongolei mit ausländischem PKW, liegt es jedoch nahe, dass die Mongolen einfach keine Lust mehr auf schrottige Kleinwagen haben, die nach Beendigung der Rally dann wohl gerne einmal aufgegeben wurden.

Was wiederum klar ist, ist dass Ulaanbaatar (auch von den Einheimischen nur „UB“ abgekürzt) eine bewegte Vergangenheit hat und in den letzten Jahren ein rasantestes Wachstum aufzeigte.
So wurde es im 17. Jahrhundert erstmals erwähnt – damals noch als loses Zeltlager der Nomaden – und somit als „Camp“ betitelt. Zudem scheint eine schriftliche Erwähnung des losen Zeltverbunds vermutlich der Tatsache geschuldet, dass der damalige Buddhistische Führer der Mongolei in eben diesem mitreiste.
Dies beantwortet dann auch die evtl. Frage nach der Staatsreligion; Buddhismus.
Vom „Camp“ ging es dann zum „Großen Camp“.
Nachdem sich die Mongolen 1911 von den Chinesen lossagen konnten, wurde die damalige Stadt erstmal befestigt als „Capital Camp“ (in etwa „Hauptstadt-Camp“) erwähnt, was die Chinesen nicht daran hindern sollte 1918 noch einmal die jetzige Haupstadt und damit die Mongolei zu besetzen. Die Idee gefiel auch den Russen, sodass sie diese nur drei Jahre später ebenfalls besetzten und 1924 in Ulaanbaatar („Red Hero“ / „Roter Held“) umbenannten – klar, hatte doch der russische, rote Kommunismus den chinesischen, roten Kommunismus besiegt…

Kopf -> Tisch

Interessanter Weise wird dieser Name im Winter gegen „Kharbaatar“ (Black Hero / Schwarzer Held) umbenannt , da der Ruß der Kohleöfen die Stadt schwarz anmalt.
Im 21. Jahrhundert erlebte die Mongolei aufgrund ihrer reichen Bodenschätze einen wahren Boom, was aus dem ehem. fast überschaubaren UB mit ca. 300.000 Einwohnern eine Millionenstadt werden ließ. So sollen knapp 50% der etwa 3 Mio. Mongolen in der Hauptstadt leben.

Wir erreichten unser Airbnb gegen 20 Uhr und gaben uns erst einmal der Körperpflege hin… Vier Tage und drei Nächte Camping ohne Wasser in der Nähe wollen dann doch erst einmal runtergeschrubbt und ausgewaschen werden.
Danach ging es auf einen ersten Erkundungsgang durch die Stadt. Unsere Unterkunft lag recht zentral und so konnten wir schon ein paar Sehenswürdigkeiten abhaken. Lediglich die Suche nach einem Restaurant mit Pferde- und Yakspezialitäten gestaltete sich schwierig, so dass wir in einem Touristen-Lokal endeten, was uns jedoch satt und glücklich werden ließ.

Noch schwieriger gestaltete sich die Such nach einer Bar für einen Absacker, da fast alles geschlossen war. So schnappten wir uns nach einem mittelmäßigen Bier ein „Taxi“. Hinweis; es scheint keine Taxen zu geben. Man winkt einfach an der Straße bis ein Auto hält. Dann wird das Ziel und der Preis festgelegt und los gehts.

– Tobi

Mongolei die Dritte – Auf der Straße aus der Hölle

Wir hatten gehört, dass die Südroute besser sein soll. Bis auf einen kleinen Teil. Prozentual gesehen mag das stimmen, dennoch sind 1,5 Tage auf einer absolut nicht existenten Straße einfach zu viel.

Langsam frustriert suchten wir uns also unseren Weg durch die Steppe. Meist fuhren wir einfach in den Spuren anderen Fahrzeuge. Ab und zu hatten wir dann fünf „Straßen“ …oder Fahrspuren zur Auswahl. So verfuhren wir uns hin und wieder. Aber „alle Straßen führen nach Ulaanbaatar“ scheint zu stimmen. Irgendwann schafften wir es wieder in die Zivilisation mit Handyempfang, Elektrizität und Straßen!

Die erste und bisher einzige Wasserdurchfahrt schaffte der jetzige „Amphibien-Polo“ problemlos. Lediglich das Sorgenkind – der Unterbodenschutz – löste sich ab, sodass Mesi sich einmal mehr in den Staub werfen und es reparieren musste.

Wir fuhren noch ein paar hundert Kilometer und fanden eine Ansammlung von umzäunten Jurten, in denen wir um ein Nachtlager ersuchten, da es zwischenzeitig arg stürmisch wurde. Mit Hand und Fuß (der Standardsprache seit einiger Zeit) konnten wir uns verständigen, bis wieder ein anderer Gast mit Englischkenntnissen aushalf. Und nicht nur das. Er kümmerte sich mehr als rührend um uns und unser Wohlbefinden. So wies er die Cheffin der Unterkunft an das Klo zu putzen, die feiernden/betrunken Mongolen aus einer anderen Hütte fernzuhalten, uns noch zu bekochen oder Feuerholz für die Hütte zu organisieren… Promt wurde mit der Umsetzung begonnen und die Chefin persönlich kam mit dem fehlenden Kaminrohr an, welches noch auf den Ofen montiert werde musste, damit wir keiner Kohlenmonoxidvergiftung erlagen.

Die Jurte heizte sich binnen weniger Minuten auf und wir zogen gemütlich ein.

Das Essen kam spät und auch hier brachte unser mongolischer Helfer es selbst. Und nicht nur das. Da der Koch bereits Feierabend hatte, sprang die Frau des „Übersetzers“ ein und kochte uns kurzerhand Reis mit Kartoffeln und Lamm in der Unterkunftsküche.

-Tobi

Die Mongolei – Gegen diese Steppe ist Kasachstan ein Kinderspielplatz

Wir verließen Ölgii in Richtung Süd-Ost und folgten den Ratschlägen der einheimischen Befragten und den Bildern aus der großen WhatsApp-Gruppe der Rally-Teilnehmer und suchten die Süd-Route. Die Strecke soll vergleichsweise langweilig, jedoch wesentlich besser ausgebaut, sein. Und tatsächlich brausten wir mit um die 100km/h durch die Mongolische Steppe auf neustem Fahrbahnbelag.
Vor allem zu Beginn der Etappe im Norden sahen wir riesige Raubvögel – vermutlich Adler – die auch gerne einmal ein Erdmännchen am Straßenrand zerteilten.

Die Landschaft wechselte sich ab mit Bergen und Seen, die Herden verschiedenster Nutztiere (Kamele, Yaks, Schafe, Ziegen, Kühe, Pferde) grasten in „Grüppchen“ zu hunderten und vereinzelt sahen wir Jurten mit Solar-Panels und Satellitenschüsseln.

Die wenigen „Ortschaften“ die wir durchfuhren bestanden meist aus nicht mehr, als einem Polizeihäuschen und ein paar Jurten. Das vereinfachte die Schlafplatzwahl und so folgten wir dem Vorschlag iOverlanders zu einem ruhigen Schlafplatz hinter einem kleinem Dorf am Straßenrand.
Tatsächlich war der wilde Campingplatz gut gelegen und durch allerlei Gestrüpp vor direkten Blicken aus dem Dorf geschützt.

Von dort aus ging es immer weiter der Straße entlang, welche zunehmen schlechter wurde. Die Ortschaften wurden noch kleiner aber immerhin gab es „Supermärkte“, Tankstellen und auch schon einmal ein Restaurant, in welches uns dann der Hunger trieb. Die Auswahl war recht groß, die Sprachbarriere jedoch größer. Das führte dazu, dass wir aus Spaß über _Schnitzel_ sprachen und uns dies prompt angeboten wurde. Neben ein paar weitern Köstlichkeiten, die wir auf dem Handy zeigen konnten, wurde auch bald unser Mahl serviert. Das „Schnitzel“ stellte sich als Hacksteak unbekannter Herkunft mit einem Rührei als Decke heraus. Alles in Allem war auch die Mongolei bisher kein Gaumenschmaus und der (Google-)Blick auf Ulaanbaatar (https://de.wikipedia.org/wiki/Ulaanbaatar) auf die dortigen Restaurants ließ nicht viel Hoffnung zu.

Wir setzen unsere Reise auf losem Geröll, Schotter, verblockten Steinpassagen und Wüstensand fort und fanden schlussendlich eine nette Stelle zum Campen nahe der „Autobahn“. Hier schlugen wir Zelte und Tarp auf und schmissen die Kochstelle für „Terence-Hill-Bohnen“ an – für die originalen „Bud-Spencer-Bohnen“ fehlten unser leider ein paar Zutaten. Dabei bekamen wir einen der längsten und beeindruckendsten Sonnenuntergänge zu sehen. Die Nacht war ruhig, wenngleich auch ein Murmeltier pfeifend durch unser Lager lief und ein Hund unseren Polo markierte. Die angrenzende Kamelherde blieb auf weite Distanz und so wachten wir recht entspannt und ausgeruht auf und setzten unsere Fahrt Richtung Osten fort…

Auf in die Mongolei!

So rollten wir also gen Süden, der Mongolei entgegen. Die Landschaft erinnerte eher an British Colombia in Kanada,als an Steppe und Wüste, auf was wir uns ja nun schon (wieder) vorbereiteten. Undurchdringlicher Mischwald links und rechts. Lange sahen wir kein Grün auf unserer Reise, sodass es geradezu befremdlich wirkte. Auf Schildern an der Straße wurde auf Bären, Wölfe, Luchse und weiteres Wild hingewiesen, von dem wir jedoch nichts sahen.

Eine Nacht vor der Grenze

In Internetforen war von Wartezeiten bis zu neun Stunden die Rede. Auch die einschlägigen Apps, wie iOverlander hatten einige schlechte Nachrichten für uns. Zudem war die Grenze lediglich von 9 Uhr bis ca.(!) 17 Uhr geöffnet. Und das nur montags bis samstags.

Über perfekte Straßen glitten wir durch die Dunkelheit nach Kosh-Agach (Кош-Агач), einem kleinen Ort vor der Grenze, wo wir nur schnell schliefen, um uns morgens der Grenze zu stellen. Das Zimmer war wie der Rest der Behausung; aus Müll/Schrott zusammengebaut. Aber bei 20$ für ein Dreibettzimmer meckert man nicht, man trinkt einen Vodka und schläft schnell ein…

Später stellte sich heraus, dass die von uns in Dunkelheit durchfahrene Gegend lt. National Geografic zu den schönsten Straßen der Welt gehört. Ein Grund mehr noch einmal hier lang zu fahren.

Die Grenze in die Mongolei

Die Grenze der Russen war verwirrend, aber einfach. Fahrer raus, Rest im Auto bleiben, Zollpapiere vom Auto abstempeln lassen, Taschen aus dem Auto und alle Mann fußläufig und mit Röntgen des Gepäcks über die Grenze. Die „Passagiere“ mussten wieder warten und ich als „Fahrer“ musste einmal ein paar Türen und zwei von drei der Alukisten von Beelmann öffnen. Fertig.
Danach fuhren wir noch eine knappe halbe Stunde durchs Niemandsland mit ein wenig russischem Militär. Alles in allem also eine ganz normale Grenze. Wie die anderen 19 zuvor auch. Zu guter Letzt fuhren wir, nach Kontrolle des Kennzeichens per Funk, aus dem Niemandsland der russischen Seite. Hier hörte auch die Straße auf und wir holperten direkt auf einen Feldweg mit Sandbunkern und verblockten Stellen mit Findlingen.

Wir erreichten die mongolische Grenze und auch hier ging das Chaos weiter. Zettel ausfüllen, warten, Papiere erbeten, weiterfahren, auspacken, sich von einer mongolischen Großfamilie durch die Kontrollen schubsen lassen, Gepäck durchleuchten, Zollpapiere des Autos erbitten, stempeln, stempeln, stempeln, einpacken, fertig. Ganz einfach, oder? Interessant war, dass alle Militärs weiblich waren an der Grenze. Der Zoll jedoch männlich besetzt war.

Wir rumpelten dann also über unbefestigte Straßen weiter Richtung Ölgii, unserem Tagesziel. Und tatsächlich wurde die Straße dann auch spontan besser und irgendwann sogar gut.
In Ölgii organisierten wir uns erst einmal einen Mechaniker, da wir bereits 1.500 km (oder 10%) über dem Ölwechsel waren. Danach ging es zum lokalen Handyprovider, wo es Gratis-SIM-Karten mit 3-GB-Datenvolumen gab! Ob dies nur für Ausländer galt oder ein ziemlich aggressives Marketing für Marktanteile war, erschloss sich uns nicht. Aber wir waren glücklich.
Auch eine Unterkunft war beim zweiten Versuch organisiert und so warteten wir wieder bei der Werkstatt auf unseren Ölwechsel.
Nach knapp 3 Stunden warten (mit zwischenzeitlichem Organisieren o.g. Dinge) entschieden wir uns einfach, nachnebenan zu gehen und es dort zu versuchen. Und tatsächlich konnte man uns doch recht schnell helfen. Zwar hatten wir nicht das 100% korrekte Öl gefunden, konnten aber ein schönes Cuvée herstellen, was dem Motor schmecken dürfte. Zudem hatte sich der Gummidämpfer im Domlager vorne links wieder einmal verabschiedet und auch der zusätzliche Unterbodenschutz brauchte ein wenig Aufmerksamkeit. So werkelten wir also alle zusammen – Mechaniker und Rally-Crew – am Polo und waren um 20 Uhr dann endlich fertig.
26€ kostete alles zusammen und wir gaben den Mechanikern und unserem netten Übersetzer (einem mongolischen Kunden der Werkstatt, der zwei Jahre in den USA arbeitete) noch kleine Jägermeisterflasche und tranken ein Feierabendbier.
Das anschließende Abendessen erfüllte leider nicht die Erwartungen, welche Lonely Planet, Google Maps und auch lokale Empfehlungen versprachen, und so spazierten wir mit hängenden Köpfen Richtung Hotel.
Caius hingegen hatte zuvor das Auto zum Hotel gebracht und dort den Manager getroffen, welcher auch einen kleinen Club im Ort betreibt.
Diesen suchten wir noch schnell für einen Absacker auf und führten das im Hotel weiter.

Verschlafen, aber noch im Rahmen, machten wir uns auf den Weg in Richtung Ulaanbaatar auf.

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Hinweis in eigener Sache

Warum die Blog-Einträge versetzt und schubweise kommen

Die Reiseberichte kommen etwas zeitversetzt, weil es hier natürlich nahezu überall an mobilem Internet mangelt und dann auch noch gestückelt, damit ich nach dem Schreiben auch noch ein wenig Zeit habe überhaupt verwertbare Eindrücke zu sammeln und nicht nur auf dem Handy zu tippen während der Fahrt. Daher passt dieser eingeschobene Post nicht ganz in die chronologische Reihenfolge… 😉

Dabei unterstützt mich AlwisSoft aus Leipzig massiv in dem er die Texte überfliegt (im wackeligen Auto tippen zieht teils fiese orthographische Fehltritte mit sich), lädt die mühsam über stunden aus der Wüste hochgeladenen Bilder wieder herunter und veröffentlicht den Post dann sukzessive, um mir Luft zu geben neuen Inhalt erstellen zu können.
Und das nebst neuem Job, Firma, Familie.

1000 Dank!!!

Ein Hilferuf aus Ulaanbaatar!

Ein Hilferuf aus Ulaanbaatar!

Über einen kurzen Umweg erreichte uns ein Hilferauf aus Ulaanbaatar, der Hauptstadt der Mongolei und bis vor wenigen Jahren Ziel der Mongol Rally.

Ein örtliches Waisenhaus „Verbist Care Center“, welches Straßenkinder aufnimmt und bis zum 18. Lebensjahr beherbergt und ausbildet, hat kein funktionierendes Wassersystem mehr. Dies inkludiert natürlich auch die Heizung, was mit Blick auf den kommenden Winter und Temperaturen von bis zu -40°C(!) ein Desaster ist.

Zum Vergleich: Wir frieren im Schlafsack für 200€, in dem ein Taschenwärmer heizt, mit Kleidung bereits jetzt schon bei Temperaturen um die 2°C!

Caius Bruder war 2013 einmal vor Ort und unterstützt das Waisenheim seitdem mit Kleiderspenden. So kam auch der Kontakt zustande.

Was wir drei konkret ausrichten können ist begrenzt, dennoch möchten wir hier einmal auf die ins Leben gerufene Spendenaktion hinweisen:

https://www.betterplace.me/verbist-care-center-warm-water

Es geht um mehrere Tausend Euro, von denen ein kleiner Teil durch eine Hilfsorganisation bereitgestellt wurde.
Jeder Euro hilft! Und wir schauen uns die Einrichtung morgen einmal persönlich an.

Danke