Pamir Highway – Der Hindukusch zum Greifen nah

Tadschikistan – Zahlen, die sich einbrannten

Je mehr man über dieses Land liest, desto surrealer wird es. Als eines der ärmsten Länder der Welt und das ärmste Land der UDSSR werden 50% des BIP durch im Ausland arbeitende Verwandte erbracht, 1/3 der Bevölkerung gelten lt. WHO als unterernährt und die durchschnittliche Lebenserwartung ist erst in den letzten Jahren über 60 Jahre (m), bzw. 70 Jahre (w) gestiegen. Geschichtlich ist das Land seit ca. 3.500 v. Chr. existent. Die jüngere Geschichte endet mit einem Bürgerkrieg (1992-1997), von dem noch immer Minen im Land verteilt liegen. Und die Hälfte des Landes liegt oberhalb von 3.000m üNN.

Aber wenn Tadschikistan eins hat, dann sind es Steine. Vor allem auf dem…

Pamir Highway – Die Straße auf dem Dach der Welt

Wie auch der Hindukusch („Hindu-Mörder“) oder der Himalaya, zählt der Pamir zum „Dach der Welt“.

Drei Pässe über 4.000m üNN erwarteten uns und eine vermutlich einzigartige Landschaft. So machten wir uns nach einem ersten gemeinsamen Abend des Wiedersehens in einem Hotel in Vose bei Kulob mit dem dritten gewechselten Reifen (siehe Blogpost zuvor) auf ins Abenteuer. Ein kurzer Blick auf die Karte genügte und …ja…wir hatten uns verfahren und quälten den kleinen Polo durch alte Flussbetten und etwas, was man in Deutschland nicht einmal als Wanderweg nutzen würde. So mutierte der Wüsten-Fox dann auch spontan zur Bergkatze, was sich relativ schnell als falscher Patronus herausstellte. Wir waren zu schwer und hatten einfach zu wenig Leistung. Es blieb uns nichts anderes übrig, als auszusteigen und den Polo auf sandiger Strecke bei knapp 3.000m den Hang hochzuschieben, während einer aus dem Team die Kupplung quälte. Die Holprige fahrt und der viele Staub schafften auch sofort neue Herausforderungen; zuerst blockierte, die Handbremse, was Mesi mit anschreien, gefolgt von rütteln am Bodenzug in ca. 3 Sekunden behob. Der herabhängende Auspuff hingegen war etwas aufwendiger, konnte dann jedoch ebenfalls mit Lautstärke und Eisendraht gerichtet werden.

So ging es dann munter von Serpentine zu Serpentine, von Flussbett zu Flussbett und von Schafherde zu Ziegenherde.

Kalaikhum – Nach Afghanistan über die Fußgängerhängebrücke

Spät und in Dunkelheit erreichten wir dann unser nächstes Ziel Kalaikhum neben der bekannten Ruzvat-Brücke und konnten in einem kleinen Guesthouse, welches über einen Fluss gebaut wurde, beim Geräusch rauschenden Wassers ein paar Stunden schlafen. Unser eigentlich herausgesuchtes Hotel verlangte 200$ für die Nacht, was vermutlich dem Ort zu einem neuen Fußballstadion verholfen hätte… Das zuvor eingenommene Abendessen verdient den zweiten Teil des Substantives nicht und wurde mit dem Besuch einer ziemlich beeindruckend großen Schabe quittiert. Dafür war das Frühstück wenigstens ebenso schlecht. Tadschikistan ist kein Land für Gourmets – beim Blick auf einleitende Worte ist dies jedoch mehr als verständlich und verkraftbar.

Die anschließende Tagesetappe verlief reibungslos; Fahren, Aussteigen, Schieben, Einsteigen, Aussteigen, Schieben, Einsteigen, Aussteigen, Schieben, … und zwischendurch prüfen, ob alles dran und fest ist und alle Reifen Luft haben.

Khorog – Links oder rechts herum?

So erreichten wir fast pünktlich und auch fast im Hellen unser Tagesziel Khorog. Auch hier war der Platzhirsch unter den lokalen Hotels wieder lächerlich teuer und wir fuhren los, Klinkenputzen. Das erste Hotel/Guesthouse war nicht zu finden, das zweite nicht zu erreichen und das dritte klang komisch. Also hielten wir uns an die Beschilderungen des Ortes und landeten glücklicher Weise im „Welcome Inn„, wo uns eine sehr nette Dame uns ein beeindruckend sauberes Zimmer mit Frühstück. Das Bad befand sich außerhalb des Hauses – was sich später als Norm herausstellen sollte. In der Herberge trafen wir noch zwei Schweizer, welche zum dritten Mal im Pamir Fahrradfahren und uns einige sehr gute Tipps für Land, Leute und Route gaben. Das Bett war eine Pressspanplatte in einem Hochbettgestell auf dem eine Decke als Matratze lag. Diese doch etwas hart Konstruktion, gepaart mit knappen 3.000m üNN, ließen mich zumindest nicht mehr als zwei Stunden schlafen, sodass ich die meiste Zeit durch das Haus und den Garten tigerte und Wikipedia-Artikel las.

Die Schweizer rieten uns zu der südlichen Route, da diese zwar etwas unwegsamer, aber ungleich schöner sei…

Zelten auf dem Pamir

Auch erhielten wir von den Schweizern GPS-Koordinaten zu einem Platz, welcher von der Straße nicht einsehbar sei und man windgeschützt Zelten könne. So fuhren wir also los und konnten den beiden namenlosen Kollegen nur zustimmen; Es. Ist. Der. Wahnsinn! Links und rechts ragen kilometerhohe Berge hervor. Dahinter noch höhere und dahinter dann schneebedeckte Kuppen aus Afghanistan, Pakistan, China.

Die „Straße“ schlängelt sich zwischen Felswänden und Abhang zum Grenzfluss. Alle paar Minuten begegnet man einem anderen Auto, meist Toyota Land Cruiser oder auch mal einem Landrover Defender (meist mit echten britischen Kennzeichen). Die Lkw kommen meist Schwungweise, da sie nur zu bestimmten Zeiten bestimmte Ortschaften durchfahren dürfen. Die Brücken über die kleinen Zuflüsse sind scheinbar noch aus Sowjetzeiten und bestehen aus maroden Stahlbetonplatten. Aber wenn ein Lkw mit Anhänger darüber rollen kann, dann kann es der Polo erst recht.

Die Anstiege werden mitunter steiler und die „Straße“ noch schlechter. So holpern wir über Geröll und Sand mal auf, mal ab. Nur die Kontrollposten alle paar Kilometer brachten etwas Abwechslung.

Das letzte Stück der Route war für unseren Polo fast nicht mehr machbar und wir mussten mehr schieben als fahren… was nach dem Schieben ja nicht stoppte, da die Schieber danach den Hang hinauslaufen mussten. Schätzungsweise 1.000 km haben wir an dem Tag erlaufen. Zumeist Caius und ich, da Mesi das Spiel mit der Kupplung besser konnte und auch bei mir aussichtslos erscheinenden Hängen den Polo in den Galopp brachte. Außerdem kann ich wohl einfach gut schieben… 😉

Unser Tagesziel erreichten wir auch durch einen erneuten, vierten platten Reifen nicht. Diesmal versagte das Pneu hinten links. Als eingespieltes Team brauchten wir aufgrund der Höhe jedoch etwas länger.

Kurz vor Sonnenuntergang und kurz vor unserem eigentlichen Schlafplatz trafen wir auf eine Gruppe von acht Neuseeländer*innen und zwei Kleinwagen aus der Mongol Rally, die am Flussbett campten. Wir gesellten uns dazu, hatten ein kleines Abendmahl und konnten bereits kurz nach Sonnenuntergang einen der (oder vielleicht auch der!) beeindruckendsten Sternenhimmel jemals beobachten. Man sah die Milchstraße förmlich aufgehen und die Erdkugel wie einen Ring umspannen. Die Kamera war geladen und ein paar Tipps hatte ich mir bei den vorherigen Begegnungen mit Fotografen anderer Teams und von den Neuseeländern geholt. Es gibt wenig Fotos ohne Sternschnuppe(n) drauf – wirklich und wahrlich beeindruckend schön.


unsortiert und zusammengewürfelt


Samarkand und der Weg nach Tadschikistan

Samarkand – muslimische Geschichte bis ins sechste Jahrhundert zurück

Über mehr als zufriedenstellende Straßen in Samarkand angekommen, bezogen wir unser kleines Bed&Breakfast in fußläufiger Entfernung zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Leider stellte sich heraus, dass ausgerechnet die größte und beeindruckendste (ehem.) Koranschule wegen einer Probe für Theater oder Oper geschlossen war. So bummelten wir also von einer Moschee zur nächsten, lasen ein wenig in Wikipedia über die entsprechenden Bauten und schlenderten noch kurz über einen Markt.

Beeindruckend war die Bibi-Chanum-Moschee mit ihrer sagenreichen Geschichte.

„Nach Usbekistan reist man nicht wegen des guten Essens“ stand in einem Führer zu lesen und wir konnten uns auch davon wieder einmal überzeugen, als wir spät abends ein sehr gut bewertetes Restaurant besuchten. Aber ein großes Glas Vodka und eine extrem geringe Rechnung (~10€ für drei große Bier, zwei Vodka, eine große Flasche Wasser, zwei Hauptspeisen, einen Vorspeisensalat) ließen darüber hinwegsehen.

Tadschikistan – Die Grenze und Duschanbe

Für uns ungewöhnlich erreichten wir doch diesmal pünktlich die geöffnete Grenze und stellten uns in die Schlange wartender Autos in die pralle Sonne. Versuche sich vorzudrengeln (auch gerne als „aktives Anstehen“ bezeichnet) blieben erfolglos. Knappe drei Stunden später waren wir an der Reihe und wurden recht zügig für die Ausreise abgefertigt. Da sämtliche Formulare auf Russisch waren und ich zwei mal kompletten Blödsinn in die Felder schrieb (ich hätte dann doch noch den weiterführenden Russischkurs belegen sollen), übernahm einer der Offiziere die Arbeit des Ausfüllens für mich, sodass ich nur noch unterschreiben musste. Scheinbar war auch alles korrekt ausgefüllt, denn kurz drauf, war ich im Niemandsland nach Tadschikistan, wo Caius schon auf mich wartete.

Die Einreise war dank Digitalisierung der Tadschikischen Behörden ebenfalls einfach. eVisum abgescannt, Foto gemacht, Stempel in den Pass, fertig. Keine drei Minuten später waren wir fertig. Das Auto einzuführen war zwar wieder mehr Papierkram aber auch das wurde professionell, ohne Schmier… Trinkgelder und sogar mit Quittungen erledigt. Interessanter Weise dürfen wir 45 Tage im Land bleiben. Das Auto hingegen nur 15. Aber bis dahin wollen wir ja eh weg sein.

 

„Pete und seiner Drone“

Im Niemandsland erhielten wir dank SIM-Karte aus Usbekisten noch eine Whatsapp-Nachricht in der Großen Rally-Gruppe, dass eine amerikanischer Staatsbürger kurz hinter der Tadschikischen Grenze in einem Ort aufgrund eines Visa-Problems festsaß, bald seine Papiere erhält und eine Mitreisemöglichkeit benötigte. Da wir zu weit unterwegs waren, meldeten wir uns bei ihm, machten einen Treffpunkt aus und fuhren los. Wir fanden ihn nach kurzer Suche in einem lokalen Hotel und nach nur einer knappen Stunde packen, konnten wir dann weiter…

Es stellte sich heraus, dass Pete das zweite Mal Visa-Problemchen hatte und bereits zum zweiten Mal von seinem Team sitzen gelassen wurde… Desweiteren ist er beruflich Fotograf und wollte sich mit ein paar Bildern und Videos bei uns für die Mitnahme bedanken. An einer kleinen Brücke in einem der wundervollen Täler der Region hielten wir und er startete seine Drone für ein paar kurze Aufnahmen. Nach Landung und Verstauung der Drone ging es weiter in Richtung Dushanbe. Jedoch nur für ca. 100 Meter, bis uns drei Soldaten den Weg versperrten. Hinter einem kleinen Hügel befand sich nämlich leider ein Armeestützpunkt, den Pete quasi überflogen hatte und die Soldaten als…sagen wir einmal „semi-witzig“ empfanden. Der augenscheinlich ranghöchste Soldat der Mittlerweile fünf Mann starken Truppe kam zuerst in Badelatschen und T-Shirt auf uns zu und wurde dann eilig von seinen untergebenen eingekleidet – kein guter Start für Entschuldigungen/Verhandlungen, wenn man den OvWa weckt…

Nach Sichtung des Materials war zwar schnell klar, dass wir weder beabsichtig, noch versehentlich die Kaserne überflogen/filmten, jedoch schienen sie den Vorfall schon weiter gemeldet zu haben, denn wir sollten das Material nicht löschen und auf einen noch höheren Offizier warten.

Dank Google-Translate, entspannten Deutschen (Caius fing irgendwann an eine Tüte Chips zu essen) und netten Worten, konnten wir dann jedoch nach ca. 45 Minuten das Material löschen und durften unsere Reise fortsetzen…

 

Ansob-Tunnel – „The Tunnel of Death“

Es wurde langsam dunkel und wir wollten ja eigentlich nicht nachts fahren. Andererseits hatten wir einen Termin um 3:35 Uhr am nächsten Morgen in Dushanbe. Zudem waren die Straßen mehr als gute und die Leute fuhren gar nicht mehr so schlimm.

Irgendwann meinte Pete dann, dass wir ja gleich in den „Tunnel des Todes“ fahren. Das hatten wir so gar nicht auf dem Schirm und waren gespannt und leicht nervös. Es stellte sich heraus, dass die 2015(?) installierte Beleuchtung des Tunnels großteils ausgefallen war. Auch gab es keine Blüftung/Ventilation, Nothaltebuchten oder sonst etwas westliches. Das einzige, was es im Überfluss gab waren Abgase und Staub, was die Sicht auf ca. 10-20 Meter reduzierte. Nach Luft schnappend verließen die die 5km lange Röhre und schlängelten uns über durch chinesen gebaute Autobahnen nach Dushanbe, wo wir für ein paar wenige Stunden unser Hotelzimmer bezogen.

 

Wieder zu dritt!

Unser o.g. Termin kam näher und wir quälten uns um 4 Uhr früh zum Flughafen in Dushanbe:

Mesi war gelandet!

Nach ein paar Visa-Problemchen bei ihm (kleiner Fehler in der Passnummer) konnten wir einpacken und zu dritt weiter reisen.

 

 

 

In eigener Sache

Funkstille

Entschuldigt die Ruhe der letzten Tage und Wochen. Im Iran ist das Internet recht begrenzt und in Turkmenistan ist es wie in Nordkorea. In Usbekistan ist das Internet zwar relativ offen, jedoch einfach nicht mehr vorhanden. In Tadschikistan gibt es Internet… falls es Funkmasten und Strom gibt, was häufig nicht der Fall war/ist. Seit Kirgisistan geht es gefühlt wieder bergauf. Warten wir es einmal ab.

Standort

Wie viele bemerkt haben (und mir schrieben), ist unser GPS-Tracker seit einiger Zeit ausgefallen.

Aktuelle laufen wir noch über SPOT per GARMIN Gen3. Zu sehen ist das Ganze hier: https://share.findmespot.com/shared/faces/viewspots.jsp?glId=0NjZv30Y70TRzbiikHey8LdL9BvC9LS17

Das ist leider nicht so hübsch, wie die alte Darstellung aber das Einzige, was wir aktuell haben.

Danksagungen zwischendurch

Danke Schnorpfeil für die beeindruckende Arbeit, ein Auto, was nachweislich nicht für diese Reise geeignet war/ist, herzurichten.

1000 Dank an awesome-IT und Alwissoft, die unsere Website am Laufen halten und bisher zweimal im Notfallmodus eingreifen mussten.

Danke an Fahrrad Beelmann für diese geilen Alukisten und den Werkzeugkoffer. Das hat sich soooooo sehr bewährt und wurde/wird täglich benutzt.

3000 Dank an Klein-Übersetzungen, die bis tief nachts unseren Chaos-Blog korrigiert und übersetzt, jetzt aber selbst im Urlaub ist – daher die Latenz der Übersetzungen. :-*

Vielen Dank auch an Pepperl+Fuchs für die Klamotten, die Aufkleber und die brutalgute Zuarbeit (CS!).

Danke an Ida Grosse (nie gesehen und dennoch beeindruckende Ergebnisse erzielt!) für die ganzen Grafiken ohne die weder Aufkleber, noch Kleidung möglich gewesen wären.

Hey Neoception-Team, auch euch besten Dank für die Unterstützung und die Vorarbeit.

Danke Isy Going & City Beach für die schöne Verabschiedung – wir freuen uns jetzt schon auf eure Burger, wenn wir wieder daheim sind!

Danke Inga Klas Foto für die Bilder! Und die kommende Nacharbeit…

Danke ECOM für das vermutlich unverwüstlichste Navi der Welt.

Bukhara / Buxoro – Tausende Jahre Geschichte …und eine Menge Touristen

Hier erst einmal die Kurzform:

Nach einer tiefschlafenden Nacht im Boutiquehotel in der Altstadt erledigten wir ein paar notwendige Dinge, wie bspw. das Besorgen von Benzin. Dies ist in Usbekistan Mangelware und es gibt selten funktionierende Tankstellen mit 80 Oktan. Unser Polo möchte aber eigentlich gerne 91 Oktan haben und nach ein wenig Recherche beim Frühstück, könnte das zu einem echten Problem werden.

Zudem wollten wir seit Langem Perlensitzbezüge für unseren Raketen-Polo kaufen und so erledigten wir zuerst das eine und dann das andere und suchten uns schließlich eine Führerin, die uns grob ein paar Sehenswürdigkeiten der Stadt zeigte.

bukhara_mongol-rally-2019

-Tobi

Usbekistan – Erfrischend, leicht und locker

An der Turkmenisch-Usbekisten-Grenze angekommen, wurden wir noch von Locals begrüßt und neugierig gemustert. Wieder mit Hand, Fuß und dem Polo als Tafel zum Schreiben großer Zahlen unterhielten wir uns über fast eine Stunde mit den wartenden Turkmenen über unsere Reise und politische Themen globalen Ausmaßes… Was soll ich sagen; die Leute kennen sich aus; Merkel ist tough und Trump verrückt. Nur bei Gorbatschow gingen die Meinungen leicht auseinander, was jedoch mit allgemeinem Schulterzucken und lautem Lachen weggewischt wurde.

Ca. 15 Minuten vor Grenzöffnung wurden wir bereits an allen vorbeigewinkt und durften das Niemandsland durchqueren. Wieder gab es viel Gewinke und noch mehr Glück für die Reise.

Die Ausreise aus Turkmenistan war lt. Rally-Whatsapp-Gruppe mit ein wenig Schmiergeld für das Carnet de Passages und den Passstempel verbunden – auch hier wieder kompletter Quatsch! In Windeseile und Grundsätzlich mit einem Lächeln wurden die Formalitäten geklärt und *zack* waren wir ausgereist.

Die Einreise verzögerte sich etwas. Vermutlich weil wir einfach zu früh waren. So blieb mir Zeit, mich mit einem italienischen UNIMOG-Fahrer zu unterhalten, welcher seit Jahren immer mal wieder für ein paar Monate reist und das „Auto“ dann im Ausland einlagert und heimfliegt, bis er weiter reisen kann. Das klingt nach irre viel Spaß!

Auch über die usbekischen Grenze hörten wir viel Negatives. U.a. von dem o.g. Italiener, der sich auf einen sechsstündigen Grenzübertritt wappnete… Ihr ahnt es? Völliger Quatsch. Nach nicht einmal 90 Minuten waren wir problemlos eingereist durften direkt hinter der Grenze noch einmal entspannt unsere turkmenischen Manat in usbekische SOM tauschen, bevor wir uns auf die Suche nach einer Versicherung und Frühstück/Mittag machten.

Nach dem Iran und Turkmenistan waren wir positiv überrascht und gar erfreut über den Trubel auf den Straßen und der spontane Wegfall des Gefühls der permanenten Beobachtung. Nur die Gastfreundlichkeit blieb. So fragten wir uns von den illegalen(?) Geldwechslern hinter der Grenze durch bis zu einem Café, indem wir aßen und von dem aus wir Bank, Versicherung und SIM-Karte klären konnten. Gäste des Lokales ließen alles stehen und liegen und fuhren mit uns zur Bank und zum Basar, da auch in Usbekistan sonntags nicht alle Geschäfte geöffnet haben.

Am Basar wurden wir zwar nicht fündig, jedoch flippten alle Menschen geradezu aus, als sie mich mit der Kamera sahen und posierten für ein Bild.

Aufgrund des unfreiwilligen Verzögerung, fuhren wir komplett bis Bukhara durch und begaben uns tags drauf erst zum Sightseeing…

-Tobi

Ashgabat ist nicht Turkmenistan!

So wenig, wie New York die USA ist oder Shanghai China oder auch Berlin Deutschland wiedergibt, so wenig ist Ashgabat Turkmenistan.
Natürlich gelten Dekrete des „großen Führers“ – wie beispielsweise der Erlass, dass sich jeder Turkmene ein Fahrrad zulegen muss! – für das komplette Land, die Dichte an weißen Fahrzeugen z.B. nimmt jedoch massiv ab. Ebenso, wie die Qualität der Straßen. In Ashgabat noch über fünfspurige Stadtautobahnen mit perfekt gezogenen Straßenmarkierungen gerollt, rumpeln wir seitdem auf immer schlechter werdenden „Straßen“. Teilweise ist der Grünstreifen besser befahrbar, als der (ehemals) asphaltierte Bereich.
Schlaglöcher so groß wie Badewannen, Sandlöcher und vor allem der apruppte Wechsel zwischen relativ guten Strecken und dem Fahrbahnbelag des (Auto-)Teufels ließen die Durchschnittsgeschwindigkeit Richtung usbekische Grenze auf unter 30km/h fallen. Hinzu kam noch ein platter Reifen durch ein unachtsam angefahrenes Schlagloch.

Nahe der Grenze in Köneürgench angekommen, fand Caius sofort den kleinen Reifenspezialisten des Dorfes in einem absolut unscheinbaren Häußchen am Straßenrand. Nur der aufgebockte 5er BMW und ein kleiner Stapel Reifen ließen erahnen, dass man hier seine Pneus richten lassen kann.
Die Reperatur, inkl. abziehen des Mantels, Prüfung des Schlauchs (wir fahren mit Schläuchen), Prüfung des Mantels, Flicken des Schlauchs, Auswuchten, zurücktauschen des Rades, kostete 10 Manat… nicht einmal 0,50€!

Auch die Suche nach einem Restaurant gestaltete sich schwierig, da auch diese nicht angepriesen waren – von Google Maps ganz zu schweigen.
Dennoch entdeckte ich im Augenwinkel ein Bild von einem gefüllten Teller, sodass wir schnurstracks daraufzusteuerten.
Vor dem Lokal wurden wir von einem freundlichen Turkmenen auf Deutsch begrüßt. Er und seine zwei Begleiter folgten uns ins Restaurant und übersetzten für uns – Englisch wird hier nicht wirklich mehr gesprochen und mein Russisch ist dann doch zu schlecht.
Es gab Lahmachun und Pide. So aßen wir noch schnell Frühstück, Mittag und Abendbrot in einem und wollten schnell zur Grenze.
Überraschenderweise hat der neue Kumpel aus Turkmenistan die Rechnung beglichen. 82 Manat! Einfach so. Aus Gastfreundlichkeit. Das wäre in Deutschland wohl ein Pressebericht wert.

Angekommen an der Grenze wurden wir von vier Militärs auf turkmenischer Seite harsch aufgehalten und durften uns dem Zaun zum Niemandsland auch nicht näher als drei Meter nähern. Die vermeintlich 18-jährigen mit Sturmgewehren deuteten uns zur Umkehr und nach ein wenig „Hand-Fuß-Google-Translate-Russisch“ war klar: die Grenzen sind abends zu. Alle.
Der Blick nach rechts und links erinnerte stark an den ehem. Todesstreifen der innerdeutschen Grenze. Es würde mich nicht wundern, wenn in dem ca. zwei Meter breiten Streifen zwischen zwei Zäunen tatsächlich Minen liegen!

So drehten wir also um und suchten uns eine Bleibe. Das einzige „Hotel“ des Ortes war ein Sammelsorium aus sieben alten Soviet-Betten pro Raum, bezogen mit (dreckiger) Kinderbettwäsche und einem Badzimmer, das eher dreckig als sauber macht.
Ein turkmenisches Gesetz schreibt vor, dass man nicht Campen darf, wenn es im Ort ein Hotel gibt. Nach der letzten Begegnung mit dem Geheimdienst(?) in Ashgabat, hatten wir recht wenig Lust auf eine erneute Konfrontation.
Genervt, frustriert und müde suchten wir uns aus den Betten das Bettzeug mit dem wenigsten Mäusekot und schliefen mit wummernden Bässen der angrenzenden Nachbarschaftsparty ein.

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-Tobi

Darvaza – Die Tore der Hölle

Viele Sehenswürdigkeiten gibt es nicht in Turkmenistan. Ashgabat wurde nach einem verheerenden Erdbeben in 1948(?) fast komplett neu gebaut und sogar der Lonely Planet – Central Asia hält sich zurück.

Eins der beeindruckendsten Spektakel in Turkmenistan sind jedoch die „Gates of Hell“  in der Nähe von Darvaza, einer Kleinstadt mitten in der Wüste Turkmenistans.
Verschiedene Geschichten kann man dazu lesen. Vor allem die Daten unterscheiden sich gerne einmal. Unterm Strich waren es jedoch wohl Probebohrungen der Russen nach Erdöl-/gas, welche auf diese riesige Gasblase stießen, sodass nach Anbohren dieser der darüberliegende Bereich einsackte und permanent Gas austrat. Aus Sorge vor Gesundheitsgefährdungen der umliegenden Ortschaften und Siedlungen, wurde das Gas in Brand gesetzt mit der Prognose, es würde in wenigen Tagen/Wochen ausgebrannt sein. Dies war vermutlich um 1971 – vor fast 50 Jahren. Seitdem brennt der ca. 70m Durchmesser große Krater munter vor sich hin.
Zuletzt gab es scheinbar um 2012 den Wunsch des „Präsidenten“, das Feuer zu löschen. Dies wurde jedoch offensichtlich nicht (erfolgreich) umgesetzt.

Die abgegebene Wärme, die Geräusche lodernder Gasflammen und die schiere Größe des Kraters überraschten uns trotz vorheriger Recherche. An der Südwest-Seite stehend kneift man aufgrund der herüberziehenden Wärme schon einmal unfreiwillig die Augen zusammen.

Es gibt keinerlei Beschilderung oder gar befestigte Straßen zum Krater. So wurden wir von einem Motorradfahrer auf dem letzten Wüstenstück zum Krater begleitet, der danach zum Guiden gleich ein paar Manat (Wechselkurs 1:17) haben wollte. Auch wurde uns eifrig kaltes Bier von der einheimischen Bevölkerung angepriesen, welches sie auf ihren Motorrädern aus den umliegenden Ortschaften herankarrten, um es an Touristen zu verkaufen.

Die Zelte wurden eifrig nebst ca. 6 weiteren Rally-Teams aufgebaut, die Stühle ausgeklappt und die Füße hochgelegt. So starrten wir bis in die Nacht in den größten Gaskamin der Welt…

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– Tobi

Ashgabat – „The Marble City“

Wow… da war sie nun. Ashgabat. Eine Stadt mit über 800.000 Einwohnern komplett in Weiß. Vielerorts aus Marmor. Alles glänzt oder ist … weiß. (Fast leere) fünfspurige Prunkstraßen führen vorbei an riesigen Sovietbauten mit Säulen und gold-verspiegelten Glasfronten.
Wir fuhren zu dem aus der Whatsapp-Gruppe empfohlenen Hotel – Hotel Archabil im gleichnamigen Stadtviertel.

In Turkmensitan ist der Import von dunklen Fahrzeugen per Dekret des „Präsidenten“ seit einigen Jahren verboten, sodass wir nicht nur wegen unseres dreckigen, schwarzen VW Polos auffielen, sondern einfach nur als Ausländer allgemein.

Das Hotel bot uns Sonderkonditionen iHv 120$ pro Nacht, anstatt 180$. Wir entschieden uns, einfach nur die Zimmer des 5-Sterne-Hotels anzuschauen. Der nette Rezeptionist verstand aber recht schnell, dass wir ein Transit-Visum hatten und zur Mongol Rally 2019 gehörten. Also wuchs der Rabatt auf in der Whatsapp-Gruppe angepriesene 80$/Nacht. Nach Besichtigung des Zimmers schlugen wir zu. Bei Pool, Sauna, Dampfbad, Hamam, Salzgrotte und inkludiertem Frühstück war das eine willkommene Abwechslung nach Zelten und Hostels.

Wir suchten im halbwegs vorhandenen Internet in Verbindung mit dem _Lonely Planet – Central Asia (2014)_ die besten Sehenswürdigkeiten raus und machten uns auf den Weg.
(Hinweis für folgende Mongol Rally Teilnehmer: Express VPN schafft es durch die nationale Firewall. WLAN/Internet ist aber fast nirgendwo zu finden!)

…was für uuunglaublich nette und neugierige Menschen…!
Ähnlich wie im Iran waren fast alle Menschen interessiert an uns. Leider begafften uns die meisten und nur die wenigsten trauten(?) sich zu winken. Wir drehten den Spieß um und winkten in Gesichter mit offenen Mündern, welche zugleich in freundliches Lächeln wechselten, nicht selten mit verhaltenem Winken.

Die Stadt ist… einzigartig. Eine Mischung aus Pjongjang und Las Vegas. Riesige Straßen, die oft leer sind. Nur weiße Autos vor weißen Gebäuden. Viel Polizei. Noch mehr Prunk und Protz.

Leider gibt es auch Schattenseiten beim Vergleich mit Nordkorea! So trafen wir nach unserem Ausflug am Hotel-Pool mehrere Locals, mit denen wir vereinzelt ins Gespräch kamen. Wir tranken Bier (1$/Halben Liter), sie tranken Wodka (ca. 3$/Halben Liter!).
Nachdem die Sonne sich hinter den umliegenden Bergen verkroch, entschieden wir gemeinsam noch ein wenig ins Nachtleben Ashgabats einzutauchen. Unsere Begleiter waren jedoch arg nervös, erzählen im gebrochenen Englisch etwas von Polizei und der Unterhaltung von lokaler Bevölkerung mit Ausländern.
Unantastbar, wie wir uns fühlten und zumeist fühlen, belächelten wir dies und überzeugten die Locals, durchs Hotel zu dem wartenden Taxis zu gehen.
Siehe da… die Fahrstuhltür öffnet sich, ein Herr mit weißem Hemd und schwarzer Stoffhose entsteigt und zählt sofort die Turkmenen an.
Beschwichtigungsversuche unsererseits blieben erfolglos und wir konnten die Kumpels nur deeskalierend ins Taxi in die City setzen. Nachfragen bei besagtem „StaSi“-Menschen blieben ungehört.
Wir gingen konstanierend aufs Zimmer, wo wir nach Entdeckung unseres Störkavierkaufs von vor einigen Stunden, zusammen mit der Flasche lokalen Vodkas neuen Mut schöpften und ebenfalls „Downtown“ wollten. Die Rezeption bestellte ein Taxi, was ca. 15 Min. dauern sollte, nach Verlassen der Lobby jedoch prompt dastand… Zugleich sammelten sich weitere Turkmenen in Hemd/Hose, bzw. leger um uns, mit der Frage, wo denn unsere neuen Kumpels hingefahren wären…
Wir gaben ein wirres, grobes Ziel an und fuhren dorthin. Den Rest der Strecke legten wir zu Fuß zurück. Gebracht hat das jedoch alles nichts. Auch in der Bar kamen recht schnell die Kollegen mit weißem Hemd und schwarzer Hose und beobachteten uns.
Wir entschieden uns zur Heimfahrt und trafen wiederholt auf den „CIA“-Mann vom Anfang, welcher uns bis zum Auschecken nicht aus den Augen ließ.

Fazit: Wer also einmal wissen will, wie es in Norskorea so groovt, bucht ein Transit-Visum in Turkmenistan, auch bekannt als das Land mit der geringsten Pressefreiheit global – ja, sogar hinter Nordkorea…! 🙁

Pic Ashgabat

-Tobi

Turkmenistan – Die Einreise klappt

Die Grenze vom Iran nach Turkmenistan war pünktlich offen und wir konnten ohne Schwierigkeiten aus den Iran ausreisen. Das Carnet de Passage wurde ordentlich entwertet und schwuppdiwupp hatten wir alle Stempel im Pass. Alles ohne jegwelches Schmiergeld zu bezahlen, von denen die anderen Rally-Teams in der großen Whatsapp-Gruppe berichteten.

Die Einreise nach Turkmenistan war wiederum etwas spannender. Nicht nur wurden andere Teams, die sich dort zusammen mit uns stauten anders behandelt, auch wurde sehr offensiv nach „Trinkgeld“ gefragt.
Visagebühren iHv 142$ für zwei Personen waren der erste Schritt. Beim Auto wurden wir noch einmal mit 137$ zur Kasse gebeten… meine überreichten 140$ wurden zwinkernd mit den Worten „Tip“ (engl. Trinkgeld) weggepackt. Der zuständige Quarantäneoffizielle verlangte zwar kein Geld für seine Frage des Mitführens nach Hund und/oder Katze, gab jedoch ebenfalls lächelnd den Hinweis, dass 2$ Trinkgeld angebracht seien…
Gewappnet mit weiteren Dollarscheinen in der Tasche ging es nun zum Zoll. Die dortigen Offiziellen überraschte ich nacheinander beim Computerspielen, dem Lauschen westlichter Musik sowie beim Schlafen. Derart überumpelt fragten sie nur hastig nach Dronen, Drogen und Waffen und ließen mich ohne Weiteres durch.
Die Grenze überquert, wartete auch schon Caius auf mich. Er und zwei Österreicher hatten die Grenze zu Fuß überquert.
Hinter der Grenze sahen wir direkt Soldaten, die ihre Wachhäuschen blitzeblank putzten – der „Präsident“ scheint wohl ein Saubermann zu sein und ordnet daher die permanente Reinigung an.

Ca. 2 km hinter der Grenze – außer Sichtweite der Grenzer und des Militär – hielten wir auf einem Seitenstreifen, um ein Bild zu machen. Ein Bus, welcher fußläufige Grenzgänger transportiert, hupte und winkte uns. Antrainiert aus dem Iran winkten und lächelten wir zurück… Das war leider eher falsch, denn der Busfahrer schüttelte wild mit dem Kopf, kreuzte seine Unterarme und zeigte uns an, weiterzufahren. Später lasen wir nach, dass Turkmenistan eine lächerlich große Zone „Niemandsland“ am inneren Bereich seiner Grenzen pflegt. Auch das später wiedergetroffene, österreichische Team machte diese Erfahrung – allerdings mit dem Militär, statt einem Busfahrer.

Wir setzten unsere Reise fort und erreichten schließlich Ashgabat – die weiße Stadt…

Nachstehend noch ein paar (redundante?) Bilder aus Iran in Richtung turkeminsche Grenze:

-Tobi